Lieber Börsianer,

ist das ein Vorzeichen? Jüngst scheiterte der Börsengang des Bürodienstleisters WeWork in New York krachend. Niemand wollte die Aktien des Immobilien-Unternehmens haben. 

WeWork konzipiert und vermietet Büroräume vor allem an junge und mittelständische Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor. Dabei stellen die Amerikaner nicht nur einfach einen nackten Büroraum zur Verfügung, sondern sogenannte Co-Working-Räume. Typisch für dieses Konzept ist, dass Ihr Arbeitsbereich räumlich von den anderen Mitmietern nicht eindeutig getrennt ist. Auch die Infrastruktur, wie den Drucker oder Kopierer, teilen Sie sich. Daneben profitieren Sie als Mieter z.B. von einem integrierten gastronomischen Angebot oder einem Wellness-Raum. Hier machen Sie dann nach Feierabend z.B. noch einen Yoga-Kurs.  

Das Co-Working-Konzept unterstützt den engen Kontakten der Unternehmer untereinander. Idealerweise trifft man sich also im Bistro, um dann anschließend ein gemeinsames Projekt zum Vorteil aller zu starten. Vorbei sind die Zeiten, als der Existenzgründer in irgendeinem dunklen und kleinen Hinterzimmer alleine am Geschäftsmodell tüftelte.  

Solche offenen und komfortablen Bürolösungen liegen absolut im Trend. Entsprechend sind auch die Preise. So kostet ein Ein-Mann-Büro im Sony Center in Berlin 700 Euro. Braucht der Unternehmer mehr Platz für einen weiteren Mitarbeiter, steigt die monatliche Miete auf satte 1.260 Euro. Für einen Schreibtisch in einem Großraumbüro bezahlen Sie immer noch 450 Euro. 

WeWork ist mittlerweile nahezu weltweit in allen Metropolen mit eigenen Bürocentern vertreten. Allein in New York vermietet das Unternehmen knapp 300.000 Quadratmeter Büroflächen. Und genau hier beginnt das Problem! 

In den vergangenen Jahren avancierte das US-Unternehmen in vielen Metropolen dieser Welt zu einem wichtigen Nachfrager nach Büroflächen. Hierzulande agiert WeWork in Berlin, Köln, Frankfurt, Hamburg und München. Nachdem der Börsengang nun ins Wasser gefallen ist, fehlt dem Unternehmen Geld für weitere Flächen 

Noch schlimmer: Möglicherweise muss WeWork in seinem Wachstumskurs einige Schritte zurückgehen und Flächen aufgeben. Und wenn sich so ein wichtiger Nachfrager abrupt etwa aus dem Büromarkt in Hamburg oder Köln zurückzieht, kann das die Preise zumindest regional erheblich unter Druck setzen. 

München: Der teuerste Standort der Welt

Gleichzeitig schwächelt bereits seit einigen Monaten der New Yorker Markt für Wohnimmobilien. So sollen die Preise für Wohnungen in Manhattan im letzten Quartal teilweise prozentual zweistellig gefallen sein, wie ein US-Maklerunternehmen errechnet hat. Eine Studie der Schweizer UBS-Bank belegt, das ist kein Einzelfall. So kommen die Preise inzwischen nahezu weltweit zurück. Namentlich nennt die Studie unter anderem die Metropolen San Francisco, Stockholm, Sydney und London.  

Hierzulande gilt besonders München als crash-gefährdet. Der bayerische Standort gilt – gemessen am verfügbaren Einkommen seiner Bewohner – derweil als der teuersten Immo-Markt der Welt. Ins Bild passt, dass der Zuzug in die Metropole bereits seit einigen Monaten allmählich abnimmt. Der Wohnraum dort ist mittlerweile einfach nicht mehr bezahlbar.  

Wir müssen jetzt die Augen offen halten. Es wäre nicht das erste Mal, dass eine Immobilien-Krise auch auf den Aktienmarkt übergreift. Ich bleibe für Sie hier unbedingt am Ball!

P.S. Die Klima-Aktie der Nordex knallt durch die Decke. Allein in den vergangenen 4 Wochen verteuerten sich die Aktien in einem schwachen Marktumfeld um rund 18 %. Da müssen wir genauer hinschauen. Das besorge ich morgen an dieser Stelle für Sie!