Lieber Börsianer, 

im Grunde haben wir eine eher unspektakuläre Börsenwoche erlebt. Die Wachstumswerte des NASDAQ 100 traten auf der Stelle. Auch die starke Juni-Umsatzzahlen aus dem US-Einzelhandel konnten den Markt nicht stimulieren. Die wichtigen Rohstoffe wie Öl oder Gold tendierten auf Wochensicht ebenfalls kaum verändert. 

Lediglich der DAX schaffte einen Ausreißer und verteuert sich bislang um über 2 %. Hierzulande halfen brauchbare Geschäftszahlen des Autobauers Daimler. Zwar meldeten die Schwaben rote Zahlen aus dem abgelaufenen Quartal. Aber, man blieb deutlich über den Markterwartungen und kam bisher vergleichsweise gut durch die Corona-Krise. 

Die Investoren nahmen das Zahlenwerk zum Anlass, um sich nochmals mit Autoaktien einzudecken. So rückte die Daimler Aktie auf Wochensicht knapp 5 % vor, VW schaffte deutlich über 4 % und BMW immerhin noch rund 2 % Wochenplus. Hier verdichten sich die Anzeichen, dass sich die deutschen Autobauer kontinuierlich aus dem Corona-Tal herausarbeiten. Die VW-Aktie etwa machte seit ihrem März-Tief gehörig Boden gut und verteuerte sich seitdem um rund 50 %.  

Ein Stimmungsbild: Sorge vor dem zweiten Stillstand 

Man spürt, die Investoren möchten das Thema Corona-Pandemie zu den Akten legen, damit die Unternehmen und die Verbraucher endlich die realwirtschaftliche Erholung starten können, die ich zuletzt verschiedentlich als Wirtschaftswunder 2.0 bezeichnet habe. Aber Wunschdenken zählt bekanntlich an der Börse nicht viel.  

Wir wissen, dass das Virus noch lange nicht besiegt ist. In vielen Ländern wie den USA, Schweden oder Brasilien zeichnet sich definitiv noch kein greifbarer Fortschritt bei der Bekämpfung der Pandemie ab. Allein die USA melden aktuell rund 3,5 Millionen Infektionen. Dabei zählten die Statistiker dort allein in den vergangenen 8 Tagen 500.000 Neuinfektionen. Immerhin, das Krankenhaussystem steht und die Zahl der Todesfälle sinkt beharrlich.  

Auch in Europa sind wir nicht unbedingt über den Berg. Zwar schauen die Zahlen in Deutschland, Österreich oder der Schweiz im Moment wirklich gut aus. In dieser Woche nahm ich allerdings Bilder im Internet aus den mallorquinischen Partymeilen zur Kenntnis. Dort massierte man sich auf Bierbanken bei Tapas und Sangria. Unter dem jugendlichen Feiervolk vermute ich etliche Landsleute. Ende des Sommers werden wir wissen, ob diese Leute mehr als nur Souvenirs von der spanischen Ferieninsel mitgebracht haben.    

Dennoch erwarte ich weder für Europa noch Nordamerika einen zweiten Stillstand. Das Mittel der Wahl ist mittlerweile der punktuelle Lockdown bzw. die regionale Ausgangssperre. In Deutschland erwischte es bekanntlich zuletzt die Bewohner von Gütersloh in Nordrhein-Westfalen. Auch in China werden immer wieder vorübergehend räumlich begrenzte Ausgangssperren verhängt.  

Fazit: Wir tun gut daran, kurzfristig etwas defensiver zu denken. Der Aktienmarkt ist leicht überkauft. Einige Prozent Cash in der Hinterhand sind momentan nur klug, damit wir optimal vom nächsten Rücksetzer profitieren können.  

In der kommenden Woche (21. Juli) erkläre ich Ihnen in der aktuellen Hauptausgabe des RENDITE TELEGRAMM konkret, wie wir jetzt am Markt agieren werden.  

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