Lieber Börsianer, 

der marktbreite US-Index S&P 500 hat nun im laufenden Jahr bereits 21 Rekordhochs nacheinander markiert. Der NASDAQ 100 verteuerte sich in den letzten 12 Monaten um fast 60 % und erlebt damit eine historische Hausse. Lediglich 1991 und 1999 legten US-Wachstumsaktien noch stärker zu als in den vergangenen 12 Monaten. Nach dem Rausch von 1991 folgten übrigens drei ziemlich bescheidene Jahre, aber immerhin legte der Markt noch weiter zu. Nach der Dotcom-Sause von 1999 (+101 %) hingegen brach der Markt brutal ab und verlor in den folgenden Jahren jeweils rund ein Drittel seines Wertes, und zwar pro Jahr.  

Und auch derzeit spricht viel davor, dass uns in den kommenden Wochen eine Korrektur ins Haus steht. Alle Indikatoren deuten an, im Markt ist Gier und große Risikobereitschaft. In den USA knallen die IPOs (Börsenneulinge) durch die Decke, wie zuletzt etwa die Aktie der CureVac. Wie auch 1999 setzen die Investoren bevorzugt auf Wachstumsaktien, während man konservative Dividendentitel eher ignoriert.  

Gerade in den vergangenen Wochen holten sich die Investoren nochmals neue Risiken in die Depots und trennten sich von sicheren Anlagen. So wurden US-Staatsanleihen verkauft und auch Gold. So macht das gelbe Edelmetall seit 4 Wochen keinen Meter mehr. Die Anleger suchen also derzeit keine Sicherheit, sondern die schnelle Rendite.  

Kurzum: Es ist Euphorie und Gier im Markt. Diese Zutaten haben in der Vergangenheit immer eine Korrektur ausgelöst.   

Welche Faktoren treiben den Markt derzeit? Die Investoren sind optimistisch, dass die diversen Volkswirtschaften in den kommenden Wochen und Monaten die Corona-Rezession überwinden. Dabei vertraut man den Notenbanken bzw. den nationalen Regierungen oder etwa der EU. Man ist überzeugt, die Politik pumpt auch künftig weiter Geld in den Markt, eben solange bis es wieder rundläuft. So verhandelt derzeit US-Finanzminister Steven Mnuchin wieder einmal mit den Demokraten in Washington, um weitere Konjunkturhilfen für die US-Wirtschaft auf den Weg zu bringen.  

Daneben geht man fest davon aus, dass in den kommenden Wochen ein Corona-Impfstoff auf den Markt kommen wird. Die einzige Frage, die die Investoren in diesem Zusammenhang noch umtreibt: Reicht der Impfstoff auch für alle und werden verschiedene Länder erst im Nachgang bedient?      

Das ist meine Strategie: Aktien halten, aber nicht mehr zukaufen 

Die Situation ist derzeit also nicht ganz einfach für den ambitionierten Anleger. Wir können nicht jetzt schon rausgehen, solange der Aufwärtstrend noch derart trägt. Gleichwohl möchte ich nicht, dass Sie derzeit weiteres Aktienrisiko in Ihr Depot geben.  

Halten Sie stattdessen Ihre Aktienquote stabil. Zu Deutsch: Wenn Sie momentan zukaufen, verkaufen Sie gleichzeitig immer an anderer Stelle. Auf diese Weise stellen Sie sicher, dass Sie netto das Aktienrisiko nicht erhöhen.  

Eine aktive Absicherung der Depots halte ich Stand heute für nicht notwendig. Hier gilt eine einfache Regel: Sichern Sie Ihr Depot nie gegen einen Aufwärtstrend ab! Das führt in der Praxis nur selten zum gewünschten Ergebnis. Zudem gehe ich davon aus, dass der Aktienmarkt derzeit überbewertet und auch überkauft ist. Ich sehe allerdings kein wirklich strukturelles Problem wie etwa 2000. Konkretes Beispiel: Eine Apple-Aktie ist derzeit vielleicht 30 % zu teuer, trotzdem ist es natürlich ein ganz großartiges Unternehmen. Im Jahr 2000 waren die Aktien nicht einfach nur zu teuer, sondern 80 % der jungen Tech-Unternehmen hatten bei genauerer Betrachtung überhaupt kein marktfähiges Geschäftsmodell. Das ist heute ganz anders.  

Fazit: Agieren Sie auch in den kommenden Wochen eher vorsichtig oder „neutral“. Angst um unser Vermögen müssen wir uns allerdings erst einmal noch nicht machen .

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