Lieber Börsianer, 

es muss etwa Mitte der 90-er Jahre gewesen sein, als ich noch relativ am Anfang meiner Börsenlaufbahn einige Stück des ungarischen Unternehmens Matav erworben hatte. Matav (Magyar Telekom) war im Zuge der Wende im Ostblock privatisiert und wenig später an die Börse Budapest gebracht worden. Auch die Deutsche Telekom hatte sich bedeutsam an dem ungarischen Telefonunternehmen beteiligt.  

Die Stimmung für Telekom-Aktien war seinerzeit recht gut, und ich freute mich über steigende Matav-Kurse. Irgendwann stockte der Hauptaktionär Deutsche Telekom nochmals auf, und damit begannen meine Probleme. Denn die Anzahl der Aktien im freien Handel (Free float) wurde durch diese Transaktion erheblich reduziert. In der Folge trocknete der Handel mit der Matav-Aktie in Deutschland weitgehend aus.  

Mit anderen Worten: In meinem Depot stand zwar ein schöner Wertzuwachs, den ich allerdings aufgrund des ausgetrockneten Aktienhandels nicht realisieren konnte. Ich war richtig aufgeschmissen und wurde zunehmend nervös.  

Theoretisch hätte ich die Aktie in Budapest verkaufen können, denn an der Heimatbörse wurde der Titel immer noch ausreichend gehandelt. Allerdings hatte ich die Aktie ja in Deutschland gekauft, wo sie auch für mich gelagert wurde. Damit war ein Verkauf an der Auslandsbörse erst einmal nicht möglich 

Jede nationale Börse hat ihre eigene Lagerstelle 

Zu diesem Vorgang einige Hintergrund-InformationenIn der Regel hat jede nationale Börse eine eigene VerwahrstelleHierzulande werden unsere Aktien bei Clearstream Banking (Tochter der Deutschen Börse) gelagert. Dort befinden sich alle Aktien, die an einem deutschen Börsenplatz erworben worden sind, auch wenn es sich um Auslandsaktien handelt. Aktien, die bei Clearstream lagern, können Sie nur an einem deutschen Börsenplatz veräußern.  

Genau an diesem Punkt sind in der Vergangenheit für Anleger aus Unwissenheit oftmals Probleme entstanden. So waren zeitweise hierzulande kleine Edelmetall-Explorer aus Kanada und Australien sehr populär und wurden hier auch zunächst mit gutem Volumen gehandelt. Als der Hype abebbte, kollabierte hierzulande der Handel, und man musste die Aktien von der Depotbank zu den Verwahrstellen der Börsen Sydney und Toronto umlagern lassen. Dies ist in der Praxis mit satten Spesen in Höhe von 40 bis 60 Euro pro Position verbunden.  

Deshalb gilt für den klugen Anleger: Denken Sie beim Kauf immer auch an den Ausstieg! Überlegen Sie sich, ob Ihre Aktie auch in ein oder zwei Jahren in Deutschland immer noch ausreichend handelbar ist. Welche Überlegungen stellen Sie dabei an? 

Hier gelten zwei einfache Regeln: Auslandsaktien, die in Deutschland immer schon populär waren, wie etwa Microsoft, Coca-Cola, LVMH oder etwa Novo Nordisk aus Dänemark, handeln Sie im Inland.  

Fassen Sie hingegen einmal in der zweiten oder sogar dritten Reihe eines ausländischen Kurszettels zu, kaufen Sie besser an der Heimatbörse. Denn nur an der Heimatbörse haben Sie die Sicherheit, dass Sie die Aktie auch jederzeit wieder zu fairen Kursen veräußern können. So ersparen Sie sich von vorneherein Stress und Bürokratie! 

Exkurs: Deshalb empfehle ich in meinen Börsendiensten gemeinsam mit der Aktie immer auch gleich den geeigneten Handelsplatz. Bei mir sind Sie also immer geschützt und wissen automatisch, dass ich alle Eventualitäten bereits vorab berücksichtige.   

Einige unter Ihnen werden jetzt entgegen, dass die Auslandsorder allerdings teurer als die Inlandsorder ist. Gleich nächste Woche rechne ich Ihnen vor, dass diese Annahme in vielen Fällen falsch ist. Sie unterschlägt nämlich die versteckten Kosten, die der Börsenmakler auf den Kurs einer Auslandsaktie aufschlägt. Ich decke für Sie auf, wie die Kursbildung in wenig liquiden Märkten funktioniert 

Ich mache Sie in Börse am Mittag zum Börsenprofi. So verstehen Sie die Hintergründe und agieren nächstens in Ihrem Depot noch erfolgreicher. Denn Kompetenz bedeutet an der Börse immer Rendite.   

Mit freundlichen Grüßen, 

Alexander von Parseval
Analyst und Vermögensberater 

P.S. Die Autobranche bebt. So hat sich Nikola mit General Motors verbündet und reitet nun den Frontalangriff auf Tesla. Hier bleibt man allerdings nicht untätig und wird zurückkeilen. Lesen Sie am gleich am nächsten Montag nur hier in Börse am Mittag, wie sich die Branche jetzt mit Wasserstoff und Elektro-Motor völlig neu erfindet und wer am Ende die Nase vorne haben wird.