Lieber Börsianer, 

längst wird nicht mehr nur auf der Erde Geld verdient. Für einige Investoren geht es hoch hinaus. Während wir uns hier auf der Erde mit dem Corona-Virus herumschlagen und versuchen, dessen wirtschaftliche Auswirkungen so gut wie möglich zu verkraften, findet über unseren Köpfen eine Revolution statt. 

Die kommerzielle Raumfahrt erlebt einen Boom. Nie zuvor in der Geschichte der Menschheit wurde so viel Geld investiert, um unserem Planeten zu entkommen. Selbst die Milliardenprogramme des Kalten Krieges waren bei Weitem nicht so ambitioniert, wie die heutigen Projekte. 

Wer das Weltall beherrscht, beherrscht auch die Welt 

Der Weltraum ist zum strategischen Kampfplatz geworden, in dem zahlreiche Nationalstaaten um die Vorherrschaft ringen. Militärische Überwachungssysteme werden aus dem All gesteuert, genauso wie moderne Raketen und Drohnen. Zudem läuft der Wettstreit um die Besiedelung fremder Planeten. Angesichts des Klimawandels erscheint die Phantasie einer neuen Erde für viele nur allzu verlockend. Doch nicht nur Staaten ringen um die Vorherrschaft, auch kommerzielle Anbieter spielen eine wichtige Rolle. 

Milliardäre verfolgen knallharte Interessen 

Wer das nötige Kleingeld hat, ist beim Kampf um den Weltraum dabei. So gründete Tesla-Chef Elon Musk eigens das Raumfahrtunternehmen Space X, um seinen Traum von der Besiedlung fremder Planeten wahr werden zu lassen. Mittlerweile fliegt Space X sogar Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS, weil die staatliche NASA selbst keine betriebsbereiten Raumschiffe mehr hat.  

Space X hat die Kosten für einen Satellitenstart auf 60 Millionen Dollar verringert, während Hauptkonkurrent United Launch Alliance, der von Boeing und Lockheed Martin betrieben wird, 200 Millionen Dollar verlangt. Die US-Großbank Morgan Stanley hat erst kürzlich die Vorhersage für die Langfristbewertung von Space X auf 101 Milliarden Dollar verdoppelt. 

Das Raumfahrtprogramm spielt jedoch nur eine kleine Rolle für diese Bewertung. Viel wertvoller ist das Starlink-Satellitennetzwerk, mit dem er die gesamte Menschheit selbst in den entlegensten Winkeln der Erde mit schnellem Internet versorgen will. 

Auch Amazon-Gründer Jeff Bezos ist in der Raumfahrt aktiv. Um sein Unternehmen Blue Origin mit hunderten Millionen von Dollar zu versorgen, verkauft der reichste Mensch der Welt regelmäßig einen Teil seiner Amazon-Aktien.  

Der schillernde Milliardär Richard Branson ist ebenfalls mit einem eigenen Raumfahrtunternehmen mit von der Partie und will Menschen ins All befördern. Dabei dürfte der Weltraumtourismus nicht die hauptsächliche Ambition der Gründer sein. 

Im Weltraum kann man Milliarden verdienen 

Die Kontrolle eines riesigen Satellitennetzwerkes ist wirtschaftlich hochinteressant. Die friedliche Variante des Betriebs ist die Versorgung der Menschheit mit schnellem Internet, wie es Elon Musk kommuniziert. Aber auch Regierungen dürften ein großes Interesse an den Überwachungsmöglichkeiten und der militärstrategischen Bedeutung, die solch ein Netzwerk besitzt, zeigen. 

Es gibt noch weitere Gründe, um den Weltraum zu erforschen. Asteroidenbergbau könnte dazu beitragen, die Knappheit an verschiedenen Ressourcen auf der Erde zu beseitigen. Auch auf dem Mond wurden bereits Gold, Silber und andere Rohstoffe gefunden. Wem es zuerst gelingt, diese Vorkommen auszubeuten, kann Milliarden verdienen. Für einige wagemutige Entrepreneure handelt es sich um die größte Chance seit der Entdeckung Amerikas vor 500 Jahren. 

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