Lieber Börsianer, 

können Sie sich noch an Ihr Debut als Börsianer erinnern? Also bei mir bemächtigte sich eines Tages meine Mutter meines Sparschweins und entschied, dass es nun an der Zeit ist, dass ich zum „Investor“ werde. So schaffte sie für mich einige Aktien der norddeutschen Werft Bremer Vulkan an. 

Ein Kracher war die Aktie nicht, und so wurde sie recht bald mit spürbarem Verlust wieder verkauft. Nur wenige Monate später meldete der Schiffsbauer sogar Konkurs an.  

Damals war ich noch nicht einmal geschäftsfähig und trug also in meiner Wahrnehmung an diesem Debakel keine Schuld. Trotzdem hatte ich gleich eine wichtige Lektion gelernt. Börse ist nicht immer ganz einfach, und selbst namhafte Unternehmen können richtig versagen.  

Ich hatte verstanden, dass jedes Depot erst einmal eine breite und solide Basis benötigt. Hier setzte ich deshalb in der Folge unter anderem auf einen Fonds für japanische Aktien, eine DM-Anleihe der ungarischen Nationalbank und einen US-Technologie-Fonds.    

Apropos Technologie: Die 90er-Jahren waren eigentlich die erste Dekade, die ganz wesentlich von Unternehmen dieser Branche geprägt wurden. Unternehmen wie Microsoft, Apple oder Cisco entstanden und wuchsen rasch zu Weltunternehmen heran. In Deutschland entstand mit dem Neuen Markt ein Börsensegment für junge hoffnungsvolle Wachstumsunternehmen. Es waren für uns als Börsianer großartige Jahre, auch wenn die sog. Dotcom-Blase am Ende platzte.  

Erst bauen Sie das Fundament, dann geben Sie richtig Gas  

Ich bin als Börsianer also recht umfassend „sozialisiert“ worden. Am Anfang stand erst einmal ein kapitaler Fehlschlag, der meine Sinne für das Risiko des Marktes geschärft hatte. Etwas später hatte ich allerdings im Tech-Boom der 90er-Jahre ganz erheblich verdient. 

Folglich stelle ich auch heute als Vermögensberater jedes Depot auf zwei Beine: Einmal eben auf die eingangs angesprochene harte Basis. Hier verwende ich gerne Standardaktien aus Europa und den USA wie etwa die gestern vorgestellten Dividendenaristokraten.  

Auf dieses Fundament setze ich dann offensive Positionen, also vielversprechende Technologieführer wie etwa Facebook oder Apple. Gerne kaufe ich hier auch eher kleinere Wachstumsunternehmen aus der zweiten Reihe, die noch nicht jeder Investor kennt. Diese Aktien bringen dann den richtigen Schwung in Ihr Depot.  

Diese Frage ist gestattet: Woher sollen wir als Anleger wissen, wieviel Basistitel (in Prozent) und wieviel Wachstumsaktien wir tatsächlich brauchen? Gibt es ein objektives Verfahren, um eine optimale Depotzusammensetzung zu ermitteln?  

Es gibt hier keine pauschale Antwort. Generell gilt, das perfekte Depot gibt es nicht. Auch wenn Ihr Nachbar Ihnen pausenlos von seinem Depoterfolg vorschwärmt. Sein Depot muss nicht unbedingt auch für Sie geeignet sein. Nein, Sie entwickeln Ihr ganz persönliches Depot auf Basis Ihrer Risikoneigung. Vielleicht benötigen Sie ein ganz besonders gut ausgebautes Depotfundament, während Ihr Nachbar eher ein Zocker ist und schwerpunktmäßig auf junge Unternehmen setzt.  

Welcher Anlegertyp sind Sie? 

Der konservative und vorsichtige Typ: Buchverluste belasten Sie. Sie tun sich schwer, Verlustpositionen zu veräußern. Oftmals beunruhigt Sie die mediale Berichterstattung, sei es zum Brexit oder etwa zum italienischen Schuldenstand. Generell wünschen Sie eine harmonische Entwicklung Ihres Depots. Spektakuläre Gewinne in Einzelpositionen sind für Sie nicht alles.     

Wenn Sie sich als Anleger in dieser Beschreibung wiederfinden, setzen Sie zu mindestens 50 % auf bewährte Standardaktien aus den großen Aktien-Indizes wie etwa dem DAX oder dem S&P 500. Hier sehe ich übrigens die Chance, dass genau dieses Segment in den nächsten Monaten spürbar aufholt.  

Der offensive Investor: Sie interessieren sich für neue Technologien. Sie verlassen auch einmal gerne den ausgetretenen Pfad und suchen die Sondersituation. Auch ein deftiger Kurssturz bringt Sie nicht aus der Ruhe. Hier sehen Sie sogar eine Nachkaufgelegenheit. Sie wissen, da wo gehobelt wird, fallen Späne und kalkulieren von vorneherein einige Fehlgriffe ein. Denn Sie wissen, dass Ihre übrigen Depotpositionen diesen Verlust mehr als nur ausgleichen werden.  

Ist das Ihr Profil als Anleger? Dann gehen Sie Ihren Neigungen und Stärken nach und setzen Sie auf Unternehmen wie Qualcomm, Nvidia oder etwa Zur Rose Trotzdem: Überspannen Sie den Bogen nicht! Auch Sie brauchen einige unverwüstliche Basispositionen (ca. 25 bis 30 %), die auch dann halten, wenn Ihre Wachstumsaktien einmal versagen.  

Für alle von uns gilt: Wir nutzen immer gemäß unserer persönlichen Risikoneigung das gesamte Angebot des Kapitalmarktes. So holen wir uns gleichermaßen Stabilität wie auch Rendite ins Depot.

Cookie-Einstellungen