Liebe Börsianerinnen, liebe Börsianer,

Christian Lindner hat den Bundeshaushalt 2022 vorgestellt. Und erneut steht ein Dickes Minus in den Büchern. Der Staat gibt viel mehr Geld aus, als er einnehmen kann. Der Haushalt sieht Ausgaben von 457 Milliarden Euro vor. Hinzu kommt ein Sondervermögen für die Bundeswehr im Umfang von 100 Milliarden Euro.

Der Haushalt wird zu großen Teilen kreditfinanziert sein. Das Sondervermögen wird komplett durch die Aufnahme neuer Schulden finanziert. Auch der reguläre Haushalt erfordert eine Schuldenaufnahme von rund 100 Milliarden Euro. Rein rechnerisch nimmt damit also jeder Bundesbürger über den Umweg des Bundeshaushalts im Jahr 2022 rund 2.500 Euro neue Schulden auf.

Schon jetzt ist die öffentliche Hand in Deutschland so hoch verschuldet, dass jeder Deutsche im Durchschnitt 27.500 Euro Schulden hat. Wenn in diesem Moment in Deutschland ein Kind zur Welt kommt, startet es sein Leben mit einem Schuldenberg von 27.500 Euro.

Solange die Zinsen niedrig sind, ist das kein Problem. Doch wehe, wenn die Zinsen steigen. Dann nehmen die Zinszahlungen den Spielraum für dringend benötigte Zukunftsinvestitionen. Außerdem gilt die Regel: Je mehr Schulden (Anleihen) der Staat aufnimmt bzw. nachfragt, desto stärker steigen die Zinsen.

Die große Einmischung des Staates ins Wirtschaftsleben hat aber noch andere Folgen.

Nicht nur in Deutschland, sondern überall auf der Welt versuchen Regierungen mit hohem finanziellem Einsatz das Verhalten der Menschen zu beeinflussen. Im Wesentlichen sind die Staaten an folgenden vier Bereichen besonders interessiert:

  • Investitionen in die Infrastruktur
  • aktive Gestaltung der Energiewende
  • verstärkte soziale Absicherung, um Wählerstimmen zu gewinnen
  • Investitionen in Zukunftstechnologien (z.B. Wasserstoff)

Der Einfluss des Staates auf die Wirtschaft wächst. Das müssen wir auch bei unseren Investitionen berücksichtigen. Zudem wird es immer wichtiger, dass die Unternehmen sich an soziale und ethische Mindeststandards halten. Sonst droht ganz schnell der Ausschluss von öffentlichen Aufträgen. Der Staat wird zum beherrschenden Akteur des Wirtschaftslebens.

Die Staatsquote steigt. 2020 lagen die Staatsausgaben in Deutschland bereits bei 51,3% des Bruttoinlandsproduktes. Das bedeutet, dass mehr als die Hälfte der wirtschaftlichen Aktivitäten in unserem Land vom Staat bezahlt werden. Der beherrschende Einfluss ist überdeutlich. In der Eurozone liegt der Wert sogar bei 54,1% und ist damit noch höher als in Deutschland.

Selbst in den USA, wo die Staatsquote traditionell nur bei rund einem Drittel der Wirtschaftsleistung liegt, sprang der Wert während der Corona-Pandemie auf 46,2%. Das wird auf absehbare Zeit so bleiben. Die US-Regierung hat bereits bis zum Jahr 2030 Milliarden-Defizite im Staatshaushalt eingeplant und will mit hohen Summen ins Wirtschaftsleben eingreifen.

Geschäfte mit dem Staat sind häufig sehr lukrativ. Deshalb ist es für Unternehmen interessant, die Bedingungen der Regierungen zu erfüllen, um an Staatsaufträge zu kommen. Es könnte sich in den kommenden Jahren auszahlen, die richtigen Unternehmen mit guten Beziehungen zum Regierungsapparat im Depot zu haben.

Außerdem müssen wir uns wohl auf eine hohe Staatsverschuldung einstellen. Die hohen Budgets der Nationalstaaten werden zum größten Teil durch Schulden finanziert. Das geht so lange gut, wie die Schulden am Markt einen Abnehmer finden. Hier greifen die Notenbanken bereits in den Markt ein und kaufen Staatsanleihen im großen Stil auf. Was passiert, wenn diese Unterstützung wegbricht, werden wir nächstens beobachten können, wenn die EZB ihre Anleihenkäufe einstellt.

Sparer, die ihr Geld lediglich auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto halten, werden an Realvermögen verlieren. Anleger, die ihre Ersparnisse klug investieren, werden hingegen von den sprudelnden Geldquellen der Regierung profitieren. Sie müssen jetzt mehr denn je darauf achten, dass Sie auf der richtigen Seite stehen.

Dafür sorge ich unter anderem in meinem Börsendienst Premium Chancen. Hier finden Sie weitere Informationen zu meiner Arbeit.