Die Fed wird Benzin ins Feuer gießen

Die Fed wird Benzin ins Feuer gießen

Liebe Börsianerinnen, liebe Börsianer,

vergessen Sie das fröhliche Gerede aus dem Weißen Haus und den Mainstream-Medien: Die USA befinden sich bereits in einer Rezession. Sie können es so oft sie wollen versuchen, eine Rezession neu zu definieren, letztlich wird es keine Rolle spielen.

Wenn Sie ein regelmäßiger Leser meiner Artikel sind, dann wussten Sie, dass dieser Moment kommen würde, denn ich habe es seit Monaten vorhergesagt – jetzt ist es bestätigt. Das US-Handelsministerium berichtete, dass das BIP im ersten Quartal 2022 um 1,6 % und im zweiten Quartal um 0,9 % gesunken ist. Dies entspricht der Standarddefinition einer Rezession als zwei aufeinanderfolgende Quartale mit rückläufigem BIP.

Ob Sie es glauben oder nicht: Es gibt keine offizielle Regierungsbehörde, die eine Rezession ausruft. Diese Aufgabe wird in den USA von einer privaten Gruppe namens National Bureau of Economic Research (NBER) übernommen. Das NBER ist ein privates Gremium, das sich aus neun akademischen Wirtschaftswissenschaftlern zusammensetzt, die sich in Cambridge, Massachusetts, in der Nähe der Universitäten Harvard und dem MIT treffen.

Warten Sie daher nicht unbedingt auf eine Entscheidung des NBER. Die meisten Rezessionen dauern nur zwei oder vielleicht drei Quartale. In vielen Fällen wartet das NBER mit der Erklärung einer Rezession so lange, dass sie schon vorbei ist, bevor überhaupt das Anfangsdatum bekannt gegeben wurde.

Angesichts der Tatsache, dass die NBER-Mitglieder die Prioritäten der Demokraten vertreten und die Zwischenwahlen bevorstehen, erwarte ich nicht, dass das NBER den Beginn der Rezession zeitnah auf den Januar letzten Jahres festsetzen wird – zumindest nicht vor den Wahlen.

„Wem werden Sie glauben, mir oder Ihren eigenen Augen?“

Diese Formalitäten und Verzögerungen haben es Beamten der Biden-Regierung wie der US-Finanzministerin Janet Yellen ermöglicht zu sagen, dass sich die USA in keiner Rezession befinden. Sie berufen sich auf die Tatsache, dass nicht einmal das NBER inoffiziell eine Rezession festgestellt hat.

Inzwischen sind die Beweise für eine Rezession überall um uns herum zu finden. Es ist wie in dem alten Marx-Brothers-Spruch: „Wem wollen Sie glauben, mir oder Ihren eigenen Augen?“ In dieser Frage sollten Sie nicht auf Yellen hören, sondern Ihren eigenen Augen glauben. Man wird Ihnen weismachen wollen, dass die Wirtschaft im letzten Monat 528.000 neue Arbeitsplätze geschaffen hat. Dieser Zahl kann man aber nicht trauen. Sie ist hauptsächlich das Ergebnis von saisonalen Anpassungen, die die tatsächliche Schaffung von Arbeitsplätzen künstlich aufblähen. Es handelt sich um eine statistische Zahl, die die Realität nicht widerspiegelt.

Außerdem handelte es sich bei 303.000 um Teilzeitstellen, die viele regulär beschäftigte Amerikaner annehmen, um mit der Inflation Schritt zu halten. Es stimmt, dass die Nominallöhne um 5,8 % gestiegen sind. Aber nach 9,1 % Inflation sind die Reallöhne um 3,3 % gesunken. Das hört sich für mich nicht nach einer florierenden Wirtschaft an.

 

 

Die schlimmstmögliche Politik

In der Zwischenzeit haben die Demokraten versucht, im Vorfeld der Zwischenwahlen im November eine politische Antwort auf die (Nicht-)Rezession zu finden. Es überrascht nicht, dass es ihnen gelungen ist, die denkbar schlechteste Politik zu entwickeln.

Der Gesetzentwurf, den die Demokraten im US-Senat am Wochenende verabschiedet haben (mithilfe von Vizepräsidentin Kamala Harris, die die Pattsituation mit ihrer Stimme aufgehoben hat), ist eine aufgewärmte Version von Build Back Better. Erinnern Sie sich an diese Niete? Seit Anfang 2021 wurde das Build-Back-Better-Hilfspaket von 4 Billionen Dollar auf 2 Billionen Dollar auf jetzt etwas weniger als 1 Billion Dollar reduziert. Es enthält jedoch immer noch die Elemente des Green New Deals zusammen mit Preiskontrollen und neuen Almosen.

Die Demokraten haben beschlossen, dass sie für ihre Geschenke „bezahlen“ müssen, also werden sie natürlich die Steuern erhöhen. Es überrascht daher nicht, dass der Gesetzentwurf die Einstellung von 87.000 Steuerbeamten vorsieht. Und nicht nur das, sie werden auch Aktienrückkäufe von Unternehmen besteuern.

Steuererhöhungen in einer Rezession sind ein guter Weg, um eine Rezession in eine Depression zu verwandeln. Vielleicht nennen sie den Gesetzentwurf deshalb „The Inflation Reduction Act“. Die Wirtschaft in eine Rezession zu stürzen, ist ein todsicheres Rezept, um die Inflation zu bekämpfen. Gleichzeitig ist die Besteuerung von Aktienrückkäufen ein gutes Mittel, um den Aktienmarkt zu schädigen. Es sieht so aus, als ob diese schädliche Gesetzgebung bald beides tun könnte.

Geldverknappung auf Steroiden

In der Zwischenzeit hat sich der Aktienmarkt seit der jüngsten Zinserhöhung der Fed am 27. Juli allgemein erholt. Das liegt daran, dass die Wall Street der Meinung ist, dass das Schlimmste hinsichtlich der Zinserhöhungen vorbei ist und dass die Fed Anfang nächsten Jahres mit der Lockerung beginnen wird. Aber wird sie das tun? Die Fed führt eine aggressive Kampagne von Zinserhöhungen und einer weiteren Straffung der Geldpolitik durch quantitative Straffung (QT).

Die Fed hat die Zinssätze im März um 0,25 %, im Mai um 0,50 % und im Juni sowie Juli um 0,75 % erhöht. Damit stiegen die Zinsen in weniger als fünf Monaten von 0,0 % auf 2,25 %. Das ist das schnellste Tempo von Zinserhöhungen seit Anfang der 1980er-Jahre. Die Zinserhöhung im Juni war die erste Anhebung um 0,75 % seit 1994.

Die Verringerung der Basisgeldmenge um etwa 1 Billion Dollar pro Jahr hat schätzungsweise die gleiche Wirkung wie eine weitere Zinserhöhung um 1 %. Zusammengenommen ist das, was wir hier erleben, eine Geldverknappung auf Steroiden.

Die Wall Street glaubt, dass die lockere Geldpolitik zurückkommt

Analysten an der Wall Street kamen kürzlich zu dem Schluss, dass die Fed ihre Zinserhöhungen bald reduzieren und Anfang nächsten Jahres sogar mit Zinssenkungen beginnen wird. Diese Kehrtwende der Fed wird als „Pivot“ bezeichnet und ist einer der Gründe für die Erholung des Aktienmarktes nach der letzten Zinserhöhung am 27. Juli.

Die Pivot-Theorie begann mit der Tatsache, dass sowohl die Renditekurve der US-Staatsanleihen als auch die Kurve der Eurodollar-Futures invers sind. Ich möchte hier nicht zu technisch werden, aber eine Umkehrung bedeutet, dass die Kurven Zinssenkungen in der Zukunft anzeigen. Solche Zinsstrukturkurven sind normalerweise aufwärts geneigt, was bedeutet, dass die längerfristigen Zinssätze höher sind als die kurzfristigen. Die Renditekurve der US-Staatsanleihen geht etwa bei der zweijährigen Laufzeit in einen Abwärtstrend über. Die Eurodollar-Futures deuten auf eine Umkehrung der Tagesgeldzinsen bereits ab März nächsten Jahres hin.

Fed-Vorsitzender Powell goss auf seiner Pressekonferenz am 27. Juli Öl ins Feuer der Zinswende. Er vermied zwar Zinsprognosen, sagte aber, dass die Zinssätze seiner Meinung nach bis zum Jahresende in etwa dort liegen könnten, wo die „Dots“ (Fed-Prognosen) sie erwarten lassen. Die Prognose liegt derzeit bei 3,50 % am 31. Dezember. Das bedeutet weitere Zinserhöhungen um 1,25 %.

In diesem Jahr finden noch drei Fed-Sitzungen statt – am 21. September, 2. November und 14. Dezember. Man muss kein Mathegenie sein, um zu erkennen, dass Powell Zinserhöhungen von 0,50 % im September, 0,50 % im November und 0,25 % im Dezember erwartet. Das sind zwar weitere Erhöhungen, aber sie fallen geringer aus als im Juni und Juli. Setzt man diesen Trend weiter fort, dann deutet dies auf eine Pause im Zinserhöhungszyklus Anfang nächsten Jahres hin, gefolgt von Zinssenkungen.

Erwarten Sie keine Kehrtwende

Es gibt ein ernsthaftes Hindernis, das dem geldpolitischen Schwenk im Weg steht. Die bereits erwähnten Arbeitsmarktzahlen für Juli sind inzwischen veröffentlicht worden. Sie werden der Fed eine weitere Rechtfertigung für die Fortsetzung der aggressiven Straffung liefern. Die Fed geht davon aus, dass sie, wenn die Wirtschaft auch nach ihren jüngsten Maßnahmen immer noch viele neue Arbeitsplätze schafft, die Geldpolitik weiter aggressiv straffen kann, um die Inflation einzudämmen.

Das gibt der Fed die Hoffnung, dass sie eine „weiche Landung“ hinbekommt, bei der sie die Inflation drosseln kann, ohne eine Rezession auszulösen.

Damit verschiebt sich meine Prognose für die Zinserhöhung im September wieder auf 0,75 %. Die Fed glaubt (fälschlicherweise), dass sie grünes Licht für weitere aggressive Zinsschritte hat. Und nur weil die Wall Street eine Zinssenkung zu Beginn des nächsten Jahres wünscht, heißt das nicht, dass sie diese auch bekommen wird. Die Fed macht sich im Moment mehr Sorgen um die Inflation als um den Aktienmarkt.

Die Realität ist, dass die Rezession trotz der gegenteiligen Meinung der Fed bereits da ist, dass die geplanten Zinserhöhungen sie noch verschlimmern werden und dass die Fed die Geldpolitik weiter straffen wird, bis die Rezession noch viel schlimmer wird.

Das wird die Aktienkurse von ihrem derzeitigen Niveau aus steil nach unten fallen lassen. Die US-Notenbank Fed wird umschwenken, aber erst, wenn es viel zu spät ist, um den Aktienmarkt zu retten.

Wie man Ordnung in das Marktchaos bringt

Wie man Ordnung in das Marktchaos bringt

Liebe Börsianerinnen, liebe Börsianer,

als ich ein Kind war, war ich etwas schlampig. Meine Mutter hat mich immer dazu angehalten, mein Zimmer aufzuräumen. Im College war ich auch nicht besser. Das Zusammenleben mit drei anderen Jungs hat mich nicht gerade zu einem Ordnungsfanatiker gemacht. Unser Haus hätte man wahrscheinlich abreißen müssen.

Aber je älter ich wurde, desto mehr sehnte ich mich nach Ordnung in meinem Leben. So sehr, dass ich schockiert war, als ich mich selbst hörte, wie ich meine Tochter anflehte, doch bitte hinter sich aufzuräumen, damit das Haus schön aussieht.Nirgendwo ist dieser Wunsch nach Ordnung in meinem Leben deutlicher zu spüren als bei meinem Handel. Vielleicht begann es zu Beginn meiner Karriere als Assistent an einem Handelsschalter, als ich mit den Zahlen, die über meinen Bildschirm tanzten, nichts anfangen konnte und nicht verstand, wie die Händler entschieden, wann sie kaufen und verkaufen sollten.

Ich brauchte einen Weg, um aus all diesen Zahlen und Symbolen eine Ordnung zu schaffen. Wenn ich jetzt handle, verwende ich die technische Analyse. Die technische Analyse – die Verwendung von Aktiencharts zur Analyse der Märkte und einzelner Aktien, um Kauf- und Verkaufsentscheidungen zu treffen – eignet sich hervorragend zur Erstellung eines Handelsplans.

Wie ich immer sage, ist die technische Analyse keine Kristallkugel. Aber sie hilft Ihnen, die Chancen zu erhöhen, richtigzuliegen. Außerdem hilft Sie Ihnen, Ihre Verluste zu minimieren, wenn Sie falschliegen. Jeder Mensch hat einen anderen Handelsstil, und es gibt viele technische Analyseinstrumente, die zur bevorzugten Methode jedes Einzelnen passen. Als langfristiger Investor bin ich ein Value-Investor. Ich kaufe gern angeschlagene Aktien (mit Dividenden) und beobachte, wie sie sich im Laufe der Zeit wieder erholen.

Es ist also keine Überraschung, dass ich als Händler das Gleiche tue – nur mit einem viel kürzeren Zeithorizont. Mit dem Ziel, mit einem Abschlag in den Handel einzusteigen, kaufe ich vielleicht eine Aktie, die sich überwiegend entlang einer Trendlinie nach oben bewegt und momentan auf die Unterstützung zurückgekehrt ist – das Kursniveau, bei dem sich der Abwärtstrend einer Aktie umkehrt.

Wenn ich zum Beispiel an einem Kauf von Tesla (Nasdaq: TSLA) interessiert wäre, würde ich warten, bis die Aktie auf die Trendlinie (die orangefarbene Linie) zurückkehrt, die als Unterstützung dient.

Wenn die Aktie nicht auf die Trendlinie zurückkehrt, werde ich den Handel verpassen, was für mich in Ordnung ist.

Aber wenn der Kurs der Aktie auf die Unterstützungslinie zurückkehrt, werde ich aus zwei Gründen den Abzug betätigen:
Der erste Grund ist, dass, wenn die Aktie unter die Unterstützungslinie fällt, mir das signalisiert, dass ich falschliege, und es mir ermöglicht, den Handel schnell und mit minimalen Verlusten zu beenden.

Der zweite Grund ist, dass die Aktie, wenn ich richtigliege, von der Unterstützung abprallen wird – wahrscheinlich neue Höchststände erreicht – und ich die Aktie viel billiger gekauft habe, als sie in Zukunft kosten wird.Es gibt noch andere Instrumente, die mir helfen, das Timing meiner Trades zu verfeinern. Einige meiner Favoriten sind stochastische Momentum-Indikatoren. Ich verwende sie seit mehr als 20 Jahren, seit ich einen Tag mit dem Erfinder des Stochastik-Oszillators, George Lane, verbrachte, der mir die Funktionsweise erklärte.

Stochastische Indikatoren zeigen oft eine Spanne von 20 bis 80 an. Wenn ihre Messwerte über 80 liegen, ist eine Aktie überkauft. Wenn sie unter 20 sinken, ist eine Aktie überverkauft.
Ich verwende die Stochastik, um auf einen überverkauften Wert zu warten, der sich nach oben dreht, wie der im unteren Feld dieses Charts von Microsoft (Nasdaq: MSFT) gezeigte.

Sie können sehen, dass sich Microsoft in einem Abwärtstrend befand, aber auch, dass jedes Mal, wenn die Stochastik-Werte der Aktie im unteren Feld unter 20 fielen, die Stochastik-Linie mit einem Anstieg reagierte, woraufhin die Aktie stieg. Nun kaufe ich nicht jede Aktie, deren Stochastik unter 20 gefallen ist und dann wieder ansteigt, aber ich kombiniere attraktive Stochastik-Werte mit anderen Analysen wie Unterstützung, Widerstand und anderen Indikatoren.

Ich wäre kein erfolgreicher Händler – oder hätte nicht einmal eine Karriere an den Märkten – wenn ich nicht vor fast 25 Jahren auf die technische Analyse gestoßen wäre. Sie hat mir geholfen, die Bewegungen der Märkte und Aktien besser zu verstehen, und, was am wichtigsten ist, sie hat mir geholfen, einen Plan für jeden Handel zu entwickeln, damit ich nicht blindlings die Daumen drücke und auf ein gutes Ergebnis hoffe.

Ich empfehle Ihnen dringend, sich mit der technischen Analyse zu beschäftigen, um zu sehen, wie sie Ihre Handelsergebnisse verbessern kann.

So bauen Sie Ihr ganz persönliches Depot, das wirklich zu Ihnen passt

So bauen Sie Ihr ganz persönliches Depot, das wirklich zu Ihnen passt

Liebe Börsianerinnen, liebe Börsianer,

können Sie sich noch an Ihr Debut als Börsianer erinnern? Also bei mir bemächtigte sich eines Tages meine Mutter meines Sparschweins und entschied, dass es nun an der Zeit ist, dass ich zum „Investor“ werde. So schaffte sie für mich einige Aktien der norddeutschen Werft Bremer Vulkan an.

Ein Kracher war die Aktie nicht, und so wurde sie recht bald mit spürbarem Verlust wieder verkauft. Nur wenige Monate später meldete der Schiffsbauer sogar Konkurs an.

Damals war ich noch nicht einmal geschäftsfähig und trug also in meiner Wahrnehmung an diesem Debakel keine Schuld. Trotzdem hatte ich gleich eine wichtige Lektion gelernt. Börse ist nicht immer ganz einfach, und selbst namhafte Unternehmen können richtig versagen.

Ich hatte verstanden, dass jedes Depot erst einmal eine breite und solide Basis benötigt. Hier setzte ich deshalb in der Folge unter anderem auf einen Fonds für japanische Aktien, eine DM-Anleihe der ungarischen Nationalbank und einen US-Technologie-Fonds.

Apropos Technologie: Die 90er-Jahren waren eigentlich die erste Dekade, die ganz wesentlich von Unternehmen dieser Branche geprägt wurden. Unternehmen wie Microsoft, Apple oder Cisco entstanden und wuchsen rasch zu Weltunternehmen heran. In Deutschland entstand mit dem Neuen Markt ein Börsensegment für junge hoffnungsvolle Wachstumsunternehmen. Es waren für uns als Börsianer großartige Jahre, auch wenn die sog. Dotcom-Blase am Ende platzte.

Erst bauen Sie das Fundament, dann geben Sie richtig Gas

Ich bin als Börsianer also recht umfassend „sozialisiert“ worden. Am Anfang stand erst einmal ein kapitaler Fehlschlag, der meine Sinne für das Risiko des Marktes geschärft hatte. Etwas später hatte ich allerdings im Tech-Boom der 90er-Jahre ganz erheblich verdient.

Folglich stelle ich auch heute als Vermögensverwalter jedes Depot auf zwei Beine: Einmal eben auf die eingangs angesprochene harte Basis. Hier verwende ich gerne Standardaktien aus Europa und den USA wie etwa Dividendenaristokraten, die in diesen Tagen ihr Comeback feiern.

Auf dieses Fundament setze ich dann offensive Positionen, also vielversprechende Technologieführer wie z.B. Apple oder SAP. Daneben kaufe ich gerne auch eher kleinere Wachstumsunternehmen aus der zweiten Reihe, die noch nicht jeder Investor kennt. Diese Aktien bringen dann den richtigen Schwung in Ihr Depot.

Diese Frage ist gestattet: Woher sollen wir als Anleger wissen, wieviel Basistitel (in Prozent) und wieviel Wachstumsaktien wir tatsächlich brauchen? Gibt es ein objektives Verfahren, um eine optimale Depotzusammensetzung zu ermitteln?

Es gibt hier keine pauschale Antwort. Generell gilt, das perfekte Depot gibt es nicht. Auch wenn Ihr Nachbar Ihnen pausenlos von seinem Depoterfolg vorschwärmt. Sein Depot muss nicht unbedingt auch für Sie geeignet sein. Nein, Sie entwickeln Ihr ganz persönliches Depot auf Basis Ihrer Risikoneigung. Vielleicht benötigen Sie ein ganz besonders gut ausgebautes Depotfundament, während Ihr Nachbar eher ein Zocker ist und schwerpunktmäßig auf junge Unternehmen setzt.

Welcher Anlegertyp sind Sie?

Der konservative und vorsichtige Typ: Buchverluste belasten Sie. Sie tun sich schwer, Verlustpositionen zu veräußern. Oftmals beunruhigt Sie die mediale Berichterstattung, sei es zum Brexit oder etwa zum italienischen Schuldenstand. Generell wünschen Sie eine harmonische Entwicklung Ihres Depots. Spektakuläre Gewinne in Einzelpositionen sind für Sie nicht alles.

Wenn Sie sich als Anleger in dieser Beschreibung wiederfinden, setzen Sie zu mindestens 50 % auf bewährte Standardaktien aus den großen Aktien-Indizes wie etwa dem DAX oder dem S&P 500. Geeignet sind für Sie auch Immobilien-Aktien wie etwa Vonovia oder DIC Asset. Auch eine Dollar-Anleihe von Nestlé, Siemens oder Daimler wird Ihnen langfristig Freude bereiten.

Der offensive Investor: Sie interessieren sich für neue Technologien. Sie verlassen auch einmal gerne den ausgetretenen Pfad und suchen die Sondersituation. Auch ein deftiger Kurssturz bringt Sie nicht aus der Ruhe. Hier sehen Sie oftmals sogar eine Nachkaufgelegenheit. Sie wissen, da wo gehobelt wird, fallen Späne und kalkulieren von vorneherein einige Fehlgriffe ein. Denn Sie wissen, dass Ihre übrigen Depotpositionen diesen Verlust mehr als nur ausgleichen werden.

Ist das Ihr Profil als Anleger? Dann gehen Sie Ihren Neigungen und Stärken nach und setzen Sie etwa auf Tesla oder Nvidia. Trotzdem: Überspannen Sie den Bogen nicht! Auch Sie brauchen einige unverwüstliche Basispositionen (ca. 25 bis 30 %), die auch dann halten, wenn Ihre Wachstumsaktien einmal versagen.

Für alle von uns gilt: Wir nutzen immer gemäß unserer persönlichen Risikoneigung das gesamte Angebot des Kapitalmarktes. So holen wir uns gleichermaßen Stabilität wie auch Rendite ins Depot.

Könnten diese Ray-Bans der größte technische Erfolg des Jahres 2023 sein?

Könnten diese Ray-Bans der größte technische Erfolg des Jahres 2023 sein?

Liebe Börsianerinnen, liebe Börsianer,

Anfang dieses Sommers habe ich mir eine intelligente Brille von Ray-Ban Stories gekauft. Die Brille sieht so ähnlich aus wie meine Ray-Ban Wayfarer, nur dass sie ein Kameraobjektiv in der Ecke des Rahmens, einen Computer in den Bügeln und winzige Lautsprecher hat, die Musik und Podcasts abspielen können. Diese intelligente Brille ist (noch) kein Ersatz für ein Mobiltelefon, aber sie ermöglicht es mir, zu telefonieren, Podcasts zu hören und Videos aufzunehmen, wenn ich im Freien bin.

Ich finde sie sehr nützlich. Ich muss nicht mehr in meinen Taschen kramen, um einen Anruf entgegenzunehmen. Ich kann mit der digitalen Welt interagieren, ohne auf mein Telefon schauen zu müssen. Vielleicht hilft es sogar meiner Körperhaltung. Diese intelligenten Brillen sind auch eine Erinnerung daran, dass sich mit der immer besser werdenden Technologie auch die Art und Weise, wie wir mit ihr interagieren, weiterentwickelt … In den 1960er-Jahren verarbeiteten riesige Großrechner Daten und trugen dazu bei, dass ein Mensch auf dem Mond landen konnte.

Diese Maschinen nahmen einen ganzen Raum ein und kosteten Millionen in heutigen Dollars. In den 1980er-Jahren waren die Größe der Chips und die Kosten so weit gesunken, dass jeder Haushalt in Amerika einen Computer besitzen konnte. Plötzlich waren Tabellenkalkulationen und Schulprojekte ein Kinderspiel. Ich kann immer noch das Klicken und Piepen des Diskettenlaufwerks meines Apple IIc hören!

Ein Jahrzehnt später ermöglichten es uns die Laptops, unsere Computer mitzunehmen. Damals waren die Laptops schwer, langsam und teuer. Aber sie ermöglichten es Geschäftsleuten, ihre Arbeit unterwegs zu erledigen und Studenten in Cafés zu lernen. In den späten 2000er-Jahren kamen dann die Smartphones auf.

Inzwischen begleiten uns Computer jetzt jede Sekunde des Tages. Bestellen Sie etwas zum Mitnehmen? Sie greifen nicht mehr zum Telefonbuch, Sie öffnen DoorDash oder GrubHub. Rufen Sie ein Taxi? Uber. Sie sind fast zu einer Erweiterung unserer physischen Gestalt geworden. Wenn ich mein Smartphone zu Hause liegen lasse, fühle ich mich leider verloren.

Wir verlassen uns darauf, dass es uns den Weg weist, unsere Lieblingssongs abspielt und unsere Lebensgeschichte durch digitale Fotos festhält. Laut einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens Statista verbringen 46 % der Amerikaner täglich fünf bis sechs Stunden mit ihrem Mobiltelefon. Weitere 11 % verbringen sieben Stunden oder mehr damit.

Und die nächste Evolution in der Art und Weise, wie wir mit der digitalen Welt interagieren, steht schon vor der Tür …

Googles frühe Vision einer freihändigen Zukunft

Im Jahr 2014 hatte ich das Privileg, den Hauptsitz von Google in New York City zu besuchen und die intelligente Brille auszuprobieren. Die Brille war noch nicht für die Öffentlichkeit freigegeben, aber ein Freund, der an dem Projekt arbeitete, nahm mich zu einer „Testfahrt“ mit. Damals war die intelligente Brille noch etwas langsam und klobig. Die Hardware war noch etwas zu groß und das Betriebssystem hörte die Sprachbefehle nicht immer, sodass man sie ein paar Mal wiederholen musste.

Auf den Straßen von New York hätten Schaulustige denken können, dass Sie mit sich selbst sprechen, während Sie eine Science-Fiction-Kopfbedeckung tragen. Das ist weder praktisch noch modisch. Aber die Dinge haben sich in acht Jahren geändert. Die Chips sind viel schneller geworden und die Spracherkennungssoftware „hört“ die Befehle viel genauer.

Das bedeutet, dass eine neue Art der Interaktion mit unseren Computern und unserer Welt vor der Tür steht.

Alle Augen richten sich auf den nächsten Goldrausch bei Big Tech

In den 1960er-Jahren schrieb J. C. R. Licklider ein Forschungspapier mit dem Titel „Mensch-Computer-Symbiose“. Er war ein Computerwissenschaftler, der eine Vision für das Internet hatte, lange bevor es existierte.

Licklider ging davon aus, dass die Interaktionen zwischen Computern und Benutzern im Laufe der Zeit immer einfacher werden würden. Wie er vorausgesagt hat, sind wir von Mainframes zu Desktops, Laptops und Smartphones übergegangen. Und es sieht so aus, als ob die nächste Generation von Computern eine tragbare Technologie sein wird wie meine intelligente Brille. Im Moment ist Meta Platforms Inc. (Nasdaq: META) mit seiner smarten Ray-Ban führend.

CEO Mark Zuckerberg glaubt, dass wir auf diese Weise mit der digitalen Welt interagieren werden. Er hat in diesem Jahr bereits 10 Milliarden Dollar in das Metaverse investiert. Apple bemüht sich, schnell ein konkurrenzfähiges Produkt auf den Markt zu bringen. Es wird gemunkelt, dass das Unternehmen ein geheimes Team von Hunderten von Mitarbeitern hat, die an virtuellen (VR) und Augmented-Reality-(AR-)Projekten arbeiten. Vor fünf Jahren führte das Unternehmen ARKit ein, eine Augmented-Reality-Plattform für iOS-Geräte. Sie ermöglicht es Entwicklern, Apps zu entwickeln, die mithilfe der Kameras und Sensoren des Geräts mit der Welt interagieren.

Da die Geräte dank verbesserter Chips und 5G schneller geworden sind, wird Augmented Reality immer besser nutzbar. Es gibt Gerüchte, dass Apple irgendwann im Jahr 2023 ein AR/VR-Produkt auf den Markt bringen soll. Wenn dies geschieht, wird es die intelligente Brille als das nächste große Computergerät etablieren (ähnlich, wie es die ersten iPhones beim Smartphone taten). Natürlich könnte die nächste Evolution auch in Form eines implantierbaren Geräts kommen, wie das Konzept von Tesla-CEO Elon Musk namens Neuralink.

Ich weiß, welche Variante ich wählen würde, aber ich frage Sie: Würden Sie lieber eine intelligente Brille tragen oder sich einen Chip in Ihr Kleinhirn einsetzen?

Lassen Sie es uns wissen unter [email protected]

Bärenmärkte sind immer Einstiegschancen

Bärenmärkte sind immer Einstiegschancen

Liebe Börsianerinnen, liebe Börsianer,

wir befinden uns fast in einem Bärenmarkt. Dieser definiert sich dadurch, dass ein anerkannter Index um mehr als 20 % von seinem Höchststand gefallen ist. Dieser Zustand ist für viele Anleger besorgniserregend. Vor allem diejenigen, die noch keinen Bärenmarkt als aktiver Investor miterlebt haben, fühlen sich überfordert und überlegen, ob sie sich von der Börse zurückziehen.

Wir halten das für einen großen Fehler. Denn in der aktuellen Situation liegt eine gewaltige Chance.

Betrachtet man Bärenmärkte aus einer historischen Perspektive, dann wird deutlich, dass sie immer sehr gute Einstiegsgelegenheiten für Aktionäre waren. Schon nach sehr kurzer Zeit werden die Buchverluste aus den Depots verschwinden, denn die Kurse steigen wieder. Das war immer so, und das wird auch immer so sein.

Die Dotcom-Blase war eine hervorragende Einstiegsgelegenheit

Das Platzen der Dotcom-Blase (2000/01) vernichtete viele Milliarden an Börsenwert. Einige unprofitable Unternehmen mussten sogar Insolvenz anmelden und verschwanden für immer vom Kurszettel. Von der Panik wurden auch gute, erfolgreiche Unternehmen mitgerissen. Insgesamt ist der S&P 500 (marktbreiter Leitindex für die US-Wirtschaft) damals um 49 % eingebrochen.

Aber es gab ein Comeback. In den folgenden Jahren stiegen die Kurse kräftig an. Nach rund 2,5 Jahren hatten die Kurse das alte Ausgangsniveau wieder erreicht und verdoppelten sich danach noch einmal. Wer am Tiefpunkt gekauft hat, vervierfachte sein Kapital innerhalb weniger Jahre. Und das bei einem eher konservativen Index-Investment! Bei einer geschickten Aktienauswahl konnte man die Rendite für sich noch einmal deutlich erhöhen.

Finanzkrise führte zu 800 % Gewinn

Die Finanzkrise führte zu ähnlichen Kursverlusten wie die Dotcom-Blase. Der S&P 500 verlor mehr als die Hälfte des Wertes. Bereits nach 17 Monaten war der Kursverlust wieder aufgeholt. Im darauffolgenden Bullenmarkt stieg der Markt um weitere 400 %. Für Anleger, die am Tiefpunkt gekauft hatten, ergabt sich ein Gewinn von 800 %. Und wer nicht am Tiefpunkt gekauft hatte, wie wahrscheinlich die meisten von uns, hat 500 % verdient. Auch nicht zu verachten, oder?

Nach dem 2. Zweiten Weltkrieg machten Anleger ein Vermögen

Die wirtschaftliche Unsicherheit nach dem 2. Zweiten Weltkrieg brachte an den US-Börsen einen Kursverlust von 30 %. Vom Tiefpunkt aus stiegen die Kurse innerhalb der nächsten zehn Jahre ohne größere Korrektur um mehr als 300 %. In (West)-Deutschland waren sogar prozentual vierstellige Renditen die Regel. Allerdings waren deutsche Börsianer vor allem 1944/45 mit ganz massiven Verlusten sowie einer teils eingeschränkten Handelbarkeit ihrer Wertpapiere konfrontiert. Trotzdem die kriegsbedingt blockierten deutschen Aktien der Daimler, Merck, Allianz oder Münchener Rück kamen allesamt wuchtig zurück.

Letztlich gilt im Bärenmarkt irgendwann immer eine Botschaft: Aber jetzt kann es nur noch bergauf gehen. Wir stellen uns jetzt nicht hin und prognostizieren für den nächsten Monat gleich eine starke Erholung. Wir wissen allerdings mit absoluter Gewissheit, die nächste Hausse wird kommen.

Wir schließen mit einem kleinen Augenzwinkern: Sie müssen jetzt heute ausnahmsweise keinen neuen Börsendiensten buchen. Ohne Ironie: Sie müssen einfach nur im Bärenmarkt weiter an der Börse sein, damit Ihnen die nächsten 400 oder 800 % nicht entgehen.

Der 3D-Druck setzt sich in der Industrie durch

Der 3D-Druck setzt sich in der Industrie durch

Liebe Börsianerinnen, liebe Börsianer,

wussten Sie, dass der erste 3D-Drucker bereits 1988 käuflich zu erwerben war? Dabei handelt es sich doch eigentlich um ein Modethema, das an den Börsen gerade intensiv gespielt wird. Die Technologie wurde sogar bereits 1983 erstmals in die Praxis umgesetzt. Der 3D-Druck ist also schon fast 40 Jahre alt.

Es dauerte viele Jahre, bis sich erstmals ernsthaft Menschen abseits der Universitäten mit dem 3D-Druck beschäftigten. Richtig interessant wurde das Thema in den 2010er-Jahren. Da war die Technologie so weit fortgeschritten, dass sie auch für die Industrie interessant wurde.

Heute wird 3D-Druck vor allem im Modellbau und bei der Fertigung von Mustern oder Prototypen verwendet. Aber auch bei komplexen Spezialprodukten, die in kleiner Auflage hergestellt werden, ist das Drucken mittlerweile wirtschaftlich. Die Relevanz steigt.

Wie bei vielen bahnbrechenden Entwicklungen hat es Jahrzehnte gedauert, bis sich die Technologie durchsetzen konnte. Das Elektroauto ist ein weiteres Beispiel für eine lange Zeitspanne von der Erfindung bis zur wirtschaftlichen Anwendung. Das erste Elektroauto wurde vom schottischen Ingenieur Robert Anderson vermutlich bereits in den 1830er-Jahren entwickelt. Erst heute wird die inzwischen natürlich weiterentwickelte Erfindung in großer Stückzahl eingesetzt.

Der 3D-Druck könnte an einem ähnlichen Punkt stehen. Während bisher hauptsächlich Einzelstücke gedruckt wurden, steigen die Chancen auf den Einsatz in der Massenfertigung. Dafür sind gleich mehrere Entwicklungen verantwortlich. Zum einen wird natürlich die Technologie immer weiter entwickelt. Die Auswahl der Materialien vergrößert sich und die Laufzeit für das Drucken der Bauteile wird optimiert. Damit sinken auch die Kosten.

Der zweite Katalysator für die Entwicklung des 3D-Drucks sind die angespannten Lieferketten infolge der Corona-Krise. Wie Sie wahrscheinlich gehört haben, mussten einige Autohersteller bereits ihre Werke schließen, weil wichtige Vorprodukte fehlen. Einige Bauteile müssen in Zukunft vielleicht nicht mehr aus Fernost importiert werden, weil sie einfach selbst gedruckt werden können.

Der 3D-Drucker ist flexibel einsetzbar und kann fehlende Bauteile mittlerweile häufig in der benötigten Qualität liefern. Wenn dadurch die Produktion eines kompletten Werks am Laufen gehalten werden kann, ist es den Aufwand allemal wert. Ich gehe davon aus, dass Unternehmen in den kommenden Monaten verstärkt hochleistungsfähige 3D-Drucker einsetzen werden.

Für uns Anleger ist natürlich interessant, welche Unternehmen profitieren können. Der Markt ist noch stark zersplittert und durch zahlreiche Newcomer gekennzeichnet. Trotzdem spielen Branchengrößen wie HP auch auf dem 3D-Drucker-Markt eine wichtige Rolle. Interessant sind auch Unternehmen wie 3D Systems und Xometry. Aus Deutschland ist unter anderem SLM Solutions am Start.

Ich beobachte die wachstumsstarke Branche bereits seit einigen Jahren und bin gespannt, ob jetzt der Sprung in den Massenmarkt gelingt. Die Unternehmen, die dann den größten Marktanteil gewinnen können, sind interessante Kandidaten für jahrelanges Wachstum.