Der wahre Grund, warum der Goldpreis schwächelt

Der wahre Grund, warum der Goldpreis schwächelt

Liebe Börsianerinnen, liebe Börsianer,

was ist auf dem Goldmarkt los? Warum steht der Goldpreis nicht viel höher? Als Autor des Bestsellers „The New Case for Gold“ werden mir diese Fragen häufig gestellt. Lassen Sie uns den Sachverhalt betrachten.

Die Welt hat sich in den letzten Jahren radikal verändert. Wir haben die schlimmste Pandemie seit 1918 erlebt, die drittschlimmste in der Weltgeschichte. Die globalen Lieferketten sind in der Folge zusammengebrochen. Die Inflationsraten sind so hoch, wie wir sie seit den frühen 1980er-Jahren nicht mehr gesehen haben. Europa erlebt den schlimmsten Krieg seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Der Krieg in der Ukraine hat einen Finanz- und Wirtschaftskrieg zwischen den USA, Großbritannien, der EU und Russland ausgelöst, der extreme Finanzsanktionen beinhaltet. Dazu zählt unter anderem die Beschlagnahmung der Reserven der russischen Zentralbank. Der Wirtschaftskrieg und die damit verbundenen Sanktionen haben die gestörten globalen Lieferketten zusätzlich beeinträchtigt.

Außerdem verfolgt China, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, eine hoffnungslose und fehlgeleitete Zero-Covid-Politik, die 50 Millionen Menschen in Shanghai und Peking für den Großteil der letzten zwei Monate in ihren Wohnungen verharren ließ. Die Liste ließe sich weiter fortsetzen.

Wenn Gold der ultimative sichere Hafen für Anleger ist und die Welt solchen Unsicherheiten ausgesetzt ist, dann muss der Goldpreis doch in die Höhe schießen, oder?

Gold hat seinen Glanz verloren

Das ist nicht der Fall. Der Goldpreis notiert aktuell bei etwa 1.844 USD pro Unze und damit mehr als 10 % unter dem Allzeithoch von 2.069 USD, das am 6. August 2020 markiert wurde sowie dem Zwischenhoch von 2.043 USD vom 8. März dieses Jahres.

Unterm Strich notiert der Goldpreis heute niedriger als noch vor zwei Jahren. Am 22. Juli 2020 lag der Goldpreis bei 1.870 USD und heute, fast zwei Jahre später, liegt er bei 1.844 USD. Während dieser Zeitspanne gab es einige Höhen und Tiefen, darunter zwei Höchststände über 2.000 USD und mehrere Kursrückschläge bis in den Bereich von 1.680 USD. Es folgte jedoch immer eine Rückkehr zu einer anhaltenden zentralen Tendenz, die sich nicht viel bewegt hat.

Damit sind wir wieder bei der ursprünglichen Frage angelangt: Warum steigt der Goldpreis angesichts Inflation, Ressourcenengpässen und Krieg nicht über die Marke von 2.000 USD pro Unze oder sogar über 3.000 USD und mehr?

Gold sollte steigen

Die Bedingungen hinsichtlich Angebot und Nachfrage begünstigen höhere Goldpreise. Die weltweite Goldproduktion ist in den letzten sechs Jahren ziemlich konstant geblieben. Im selben Sechsjahreszeitraum haben die Zentralbanken ihre offiziellen Goldbestände um 6 % erhöht.

China hat in den letzten zwölf Jahren 1.400 metrische Tonnen Gold erworben (das ist die offizielle Zahl – inoffiziell besitzt das Land wahrscheinlich weit mehr). Russland hat im gleichen Zeitraum 1.500 Tonnen erworben.

Weitere große Abnehmer sind Polen, die Türkei, der Iran, Kasachstan, Japan, Vietnam und Mexiko. Mittlerweile kaufen auch die Zentralbanken der Visegard-Gruppe (Tschechische Republik, Ungarn, Polen und Slowakei) Gold hinzu.

Merkwürdig ist, dass Privatanleger in den USA Gold als Geldwert immer noch gleichgültig gegenüberstehen. Theoretisch sind die Zentralbanken am besten über den tatsächlichen Zustand des globalen Währungssystems informiert. Wenn die Zentralbanken mit harter Währung (Dollar oder Euro) so viel Gold kaufen, wie sie bekommen können, dann ist nicht wirklich ersichtlich, worauf die Kleinanleger warten.

Natürlich machen die Bestände der Zentralbanken nur etwa 17,5 % des gesamten oberirdischen Goldes aus. Die Nachfrage von Anlegern nach Goldbarren und Schmuck ist weitaus größer. Dennoch sind die Zentralbanken wohl die kenntnisreichsten Marktteilnehmer und somit ist ihr stetiger Anstieg der Goldbestände bedeutsam.

Der Goldpreis ist an die Zinssätze gekoppelt

Die Zinssätze werden für die Entwicklung des Goldpreises ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Die starken Schwankungen des Goldpreises in den letzten zwei Jahren sind unter anderem auf die Entwicklung der Zinssätze zurückzuführen. Die Korrelation ist nicht perfekt, aber sie ist stark.

Der Anstieg des Goldpreises Ende 2020 war ein Resultat der sinkenden Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe, die von 1,930 % am 19. Dezember 2019 auf 0,508 % am 31. Juli 2020 zurückging. Ähnlich ist der Rückgang des Goldpreises ab Februar 2021 zu erklären. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe stieg von 1,039 % am 2. Januar 2021 auf 3,130 % am 2. Mai 2022.

Ich bin jedoch der Meinung, dass die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe aufgrund der globalen wirtschaftlichen Schwächephase erneut fallen wird. Das ist eine gute Nachricht für Goldanleger. Die kurzfristigen Zinssätze steigen wegen der Geldpolitik der Notenbanken, aber die langfristigen Zinssätze werden sinken, sobald die globale Konjunktur von der bevorstehenden Rezession getroffen wird. Das wiederum dürfte zu höheren Goldpreisen führen.

Die Bedingungen hinsichtlich Angebot und Nachfrage sind zwar günstig für Gold sowie das allgemeine Zinsumfeld, aber keiner der beiden Faktoren scheint die nötige Triebkraft zu besitzen, um den Goldpreis kurzfristig über die Marke von 2.000 USD zu schieben. Wo liegt das Problem?

Schauen Sie auf den US-Dollar

Der tatsächliche Gegenwind für die Entwicklung des Goldpreises lässt sich in einem starken US-Dollar finden. Da Gold in US-Dollar notiert, spiegelt der Goldpreis diese Stärke in konträrer Form wider. Ein schwacher US-Dollar bedeutet einen höheren Dollarpreis für Gold. Ein starker US-Dollar bedeutet einen niedrigeren Dollarpreis für Gold.

Das Außergewöhnliche in den letzten zwei Jahren ist nicht, dass der Goldpreis nicht gestiegen ist, sondern dass er sich angesichts der anhaltenden Stärke des US-Dollars so gut gehalten hat. Das führt zu der nächsten Frage: Was steckt hinter dem starken US-Dollar und was könnte dazu führen, dass der US-Dollar plötzlich schwächer wird und den Goldpreis ansteigen lässt?

Der starke US-Dollar ist auf die Nachfrage nach auf US-Dollar lautenden Sicherheiten zurückzuführen, vor allem auf US-Staatsanleihen, die als Sicherheiten in den Bankbilanzen und in den Derivatpositionen der Hedgefonds benötigt werden. Diese hochwertigen Sicherheiten sind knapp. Da die Banken um die knappen Sicherheiten ringen, benötigen sie US-Dollar, um die US-Staatsanleihen zu bezahlen. Das heizt die Dollarnachfrage an.

Das Gerangel um Sicherheiten spricht auch für ein schwächeres Wirtschaftswachstum, die Angst vor Zahlungsausfällen, die sinkende Kreditwürdigkeit von Kreditnehmern und die Angst vor einer globalen Liquiditätskrise.

Wenn das schwache Wachstum in eine globale Rezession umschlägt, wird eine neue Finanzpanik drohen. An diesem Punkt könnte das Image des US-Dollars als sicherer Hafen beginnen zu bröckeln. Angesichts der aggressiven Sanktionen seitens der USA und den Bestrebungen großer Volkswirtschaften wie China, Russland, der Türkei und Indien, sich von dem US-Dollarsystem zu lösen, hat der Imageverlust wahrscheinlich schon begonnen.

Wenn die Finanzpanik ausbricht und der US-Dollar als nicht mehr zuverlässig gilt, wird sich die Welt Gold zuwenden. Die Frustration über die Seitwärtsbewegung des Goldpreises ist verständlich. Doch hinter dem Vorhang braut sich eine neue Liquiditätskrise zusammen.

Anleger sollten die heutigen Goldpreise als Geschenk und vielleicht als letzte Chance betrachten, Gold zu diesen Preisen zu erwerben, bevor der eigentliche Ansturm auf das Edelmetall beginnt.

Gold ist im Moment so billig, dass es praktisch ein Schnäppchen ist.

Währungskriege: der Wettlauf nach unten

Währungskriege: der Wettlauf nach unten

Liebe Börsianerinnen, liebe Börsianer,

was sind die Vorteile einer schwachen Währung im Vergleich zu den Währungen der wichtigsten Handelspartner? Die Antwort hängt davon ab, ob man die politischen oder die wirtschaftlichen Vorteile betrachtet.

Die politischen Vorteile liegen auf der Hand und erklären, warum es in den letzten 100 Jahren regelmäßig zu Währungskriegen (der Akt der Verbilligung der eigenen Währung) gekommen ist. Eine schwache Währung macht die eigenen Exporte aus Sicht eines ausländischen Käufers billiger.

Wenn Indonesien den Kauf von Flugzeugen für seine nationale Fluggesellschaft in Erwägung zieht, kann es sich unter anderem für die Boeing 787 oder den Airbus A350 entscheiden. Die Herstellungskosten von Boeing fallen hauptsächlich in US-Dollar an, während die Herstellungskosten von Airbus hauptsächlich in Euro anfallen (obwohl beide Hersteller verschiedene Komponenten und Vorleistungen aus der ganzen Welt beziehen).

Wenn der Euro gegenüber dem US-Dollar schwach ist, bedeutet das, dass Indonesien wahrscheinlich ein besseres Angebot von Airbus erhalten wird. Der Verkauf durch Airbus wirkt sich auf die gesamte Lieferkette aus und trägt zur Schaffung von Arbeitsplätzen sowie zu anderen exogenen wirtschaftlichen Vorteilen für das Unternehmen und seinen Lieferanten (die hauptsächlich in Deutschland und Frankreich ansässig sind) bei.

Die wahrgenommenen Vorteile einer schwachen Währung beschränken sich nicht auf mehr Exporte und exportbezogene Arbeitsplätze. Eine schwache Währung führt auch dazu, dass Inflation importiert wird. Erzeuger und Verbraucher aus dem schwachen Währungsland müssen mehr Geld aufbringen, um ausländische Importe außerhalb des gleichen Währungsraums zu kaufen.

Wenn zum Beispiel ein Computer aus den USA 1.500 US-Dollar kostet und ein Euro 1,20 US-Dollar wert ist, dann werden 1.250 Euro benötigt, um den Computer zu kaufen. Fällt der Wechselkurs auf 1,05 US-Dollar (was in etwa dem heutigen Stand entspricht), dann kostet derselbe Computer plötzlich 1.430 Euro, was einem Preisanstieg von 14 % gleichkommt.

Natürlich sind die Lieferketten globaler Hersteller komplexer als dieses einfache Beispiel. Die Hersteller halten oft einen festen Preis in beiden Währungen ein und verrechnen etwaige Gewinne oder Verluste mit ihren Gewinnspannen oder sichern die Wechselkursschwankungen auf den Terminmärkten ab. Dennoch bleibt die grundlegende Dynamik bestehen und spielt sich im Laufe der Zeit ab.

Es klingt seltsam, dass ein Land Inflation importiert, während die Inflation vielerorts in die Höhe schießt. Aber die Inflationswelle ist relativ jung. Von 2008 bis 2021 waren Disinflation und regelrechte Deflation in vielen entwickelten Volkswirtschaften ein ernstes Problem.

Die Deflation ist in Japan immer noch ein Problem und könnte zu einem weltweiten Problem werden, wenn die höheren Zinssätze, die zur Bekämpfung der heutigen Inflation eingesetzt werden, zu einer weltweiten Rezession führen. Die Kunst, die Deflation mit einer schwachen Währung zu bekämpfen, ist auf jeden Fall erprobt und bewährt.

Die politischen Vorteile einer schwachen Währung liegen also auf der Hand. Die politischen Verantwortlichen können behaupten, dass die Exporte gestiegen und die Importe gesunken sind (was sich positiv auf die Handelsbilanz und das BIP auswirkt), dass exportbezogene Arbeitsplätze geschaffen werden und dass die Deflationsrisiken gemindert werden. Das ist ein hübsches Paket an Erfolgen, mit dem jeder Politiker kandidieren kann. Aber ist irgendetwas davon wahr und wie sieht es mit der wirtschaftlichen Realität aus?

Es stellt sich heraus, dass die meisten Behauptungen über eine schwache Währung illusorisch, vorübergehend oder beides zugleich sind. Es mag den Anschein haben, als seien die Endpreise der Exporte für einen ausländischen Käufer billiger, wenn die Währung des Verkäufers im Vergleich schwach ist. Bei dieser Betrachtung wird jedoch das Wesen der globalen Lieferketten außer Acht gelassen.

Die Arbeitskosten sowie die technologische Forschung und Entwicklung für einen Airbus mögen in Euro anfallen, aber das Aluminium für die Flugzeugzelle kommt aus Russland, die Teilkomponenten aus Südostasien, die Avionik aus den Vereinigten Staaten usw.

Eine schwache Währung bedeutet, dass die Preise für diese importierten Komponenten steigen. Das ist ein entscheidender und wichtiger Punkt. Nur sehr wenige anspruchsvolle Exportgüter werden ausschließlich in einem Land hergestellt. Eine schwache Währung macht Vorleistungen aus anderen Währungsräumen teurer, sodass diese Kosten die Vorteile einer schwachen Währung in Bezug auf Arbeit und lokale Vorleistungen aufheben.

Eine schwache Währung ist wie eine versteckte Steuer (das ist die Inflation), die für Importe gezahlt wird. Dies führt zu einem Rückgang der Nachfrage in anderen Waren- und Dienstleistungskategorien und kann zu Arbeitsplatzverlusten in der einheimischen Industrie führen, da die Verbraucher mehr für unvermeidliche Importe ausgeben.

Selbst wenn die Vorteile einer schwachen Währung zum Tragen kommen, sind die Auswirkungen nur von kurzer Dauer. Das liegt daran, dass die Handelspartner nicht tatenlos zusehen werden, wie ein Land seine Währung schwächt. Andere Länder werden darauf reagieren, indem sie ihre eigenen Währungen im Gegenzug abwerten. Das liegt in der Natur von Währungskriegen und war einer der Hauptgründe, warum die Große Depression so lange dauerte und nicht nach ein oder zwei Jahren vorbei war.

Um im Gegenzug die eigene Währung abzuwerten, können betroffene Handelspartner auf den Devisenmärkten intervenieren, ihre Zinssätze senken (um Kapitalzuflüsse zu verhindern), Kapitalkontrollen einführen und andere Formen der geldpolitischen Manipulation anwenden.

Ich habe es bereits in vorherigen Artikeln geschrieben: Die Welt befindet sich derzeit in einer intensiven Phase eines langjährigen Währungskriegs.

Der Yen (JPY) kollabiert, weil die Bank von Japan den Exporten unter die Arme greifen muss, um eine weitere Rezession abzuwenden. Der Euro (EUR) ist abgestürzt, weil die EZB die Zinsen niedrig und die Exporte hochhalten will, um die Volkswirtschaften der schwachen Mitgliedstaaten zu unterstützen.

Der chinesische Yuan (CNY) fällt rapide, weil Chinas Wirtschaft unter den Auswirkungen der lächerlichen Zero-Covid-Politik und der schwächeren Nachfrage aus den USA, der EU und Japan leidet. Das Gleiche gilt für das Pfund Sterling (GBP), weil das Vereinigte Königreich am Rande einer Rezession steht.

Die zweit-, dritt-, viert-, sechst- und siebtgrößten Volkswirtschaften der Welt (China, Japan, Deutschland, Großbritannien und Frankreich), die mehr als 40 % des globalen BIP ausmachen, profitieren von einem starken US-Dollar.

Die Frage ist, wie lange die USA diesen Zustand noch hinnehmen werden. Den USA macht der starke US-Dollar vorerst offensichtlich nichts aus. Die Straffung der Geldpolitik seitens der US-Notenbank Fed deutet auf einen noch stärkeren US-Dollar in der Zukunft hin.

Solange das Wirtschaftswachstum in den USA solide ist, dürfte es den USA nichts ausmachen, als finanzieller Rettungsring für den Rest der Welt zu fungieren, indem sie ihren Handelspartnern erlauben, eine Politik der schwachen Währung zu verfolgen. Dies kann dazu beitragen, die Inflation in den USA zu bekämpfen, indem ausländische Importe billiger werden, wenn sie in starken US-Dollars bezahlt werden.

Die Geschichte zeigt, dass dieser Zustand nicht von Dauer sein wird. Die Politik der Fed wird die USA bis Ende dieses Jahres oder Anfang 2023 in eine Rezession stürzen. Das mag die Inflation bekämpfen, ist aber ein Albtraum für Politiker, die 2024 zur Wiederwahl antreten. Plötzlich befinden wir uns in einem Szenario, in dem die Fed auf die geldpolitische Bremse treten und sogar Zinssenkungen vornehmen könnte, so wie sie es 2019 getan hat.

Wenn das passiert, würde der US-Dollar abstürzen und der Goldpreis in die Höhe schießen. Währungskriege sind nicht von kurzer Dauer. Sie brauchen Zeit, um sich zu entwickeln. Die USA stützen die Weltwirtschaft derzeit mit dem starken US-Dollar, weil die politischen Entscheidungsträger glauben, dass wir uns das leisten können.

Sobald die USA in eine Rezession stürzen, wird sich diese Politik schnell ändern. Das ist immer so.

Immer mehr Online-Zahlungen ­– Diese Unternehmen profitieren

Immer mehr Online-Zahlungen ­– Diese Unternehmen profitieren

Liebe Börsianerinnen, liebe Börsianer,

heute möchte ich Ihnen zwei Unternehmen vorstellen, deren Angebote Sie wahrscheinlich selbst beinahe täglich nutzen. Es geht um die beiden Kreditkartenanbieter Visa und Mastercard. Beiden Unternehmen gelingt es, Milliardengewinne zu erzielen, indem Sie eine Dienstleistung anbieten, die fast jeder von uns in Anspruch nimmt.

Der Markt für Kreditkarten liegt zu rund drei Viertel in den Händen von Visa und Mastercard. Hochkomplexe Plattformen und Sicherheitsvorkehrungen machen es Neueinsteigern schwer, in das Geschäftsfeld einzudringen. Und so kommt es, dass die beiden Unternehmen an jeder einzelnen Transaktion mitverdienen, bei denen eine Kreditkarte genutzt wird. Das passiert allein in Deutschland viele Millionen Mal am Tag.

Während des Corona-Lockdowns verfestigte sich der Marktanteil der beiden Anbieter. Die Menschen kauften mehr online und nutzen zur Bezahlung häufig eine Kreditkarte. Selbst bei Einkäufen in Ladengeschäften nutzten die Menschen in zunehmendem Maße EC- und Kreditkarten für eine hygienische und kontaktlose Bezahlung.

In den Geschäftszahlen wurde die Verschiebung der Prioritäten noch gar nicht richtig sichtbar. Denn der Einbruch bei Reise- und Flugbuchungen sorgte zunächst für einen vorübergehenden Umsatzrückgang. Doch sobald die normale Reisetätigkeit wieder anläuft, Menschen zu Konzerten und in Restaurants gehen und das Leben wieder Fahrt aufnimmt, wird die Stärke der Kreditkarten-Riesen sichtbar werden.

Visa und Mastercard arbeiten extrem effizient. Die Gewinnmargen liegen bei beiden Unternehmen regelmäßig um die 50%. Das bedeutet, dass von jedem erwirtschafteten Euro rund die Hälfte als Gewinn in der Kasse verbleibt. „Normale“ Unternehmen sind oft schon froh über eine Gewinnmarge von 10%. Doch die Kreditkartenanbieter können mit dünner Personaldecke und einer schlanken Kostenstruktur punkten.

Visa und Mastercard profitieren zudem wie viele Digitalunternehmen von Netzwerkeffekten. Wenn die technische Infrastruktur einmal aufgebaut ist, dann ist beinahe egal wie viele Transaktionen abgewickelt werden. Die Kosten steigen nur minimal, während der Umsatz bei doppelt so vielen Transaktionen auch doppelt so hoch ist. Auch Zahlungsanbieter wie PayPal oder Adyen profitieren von diesem Effekt. Sie müssen jedoch noch weiterwachsen, um ähnliche Renditen wie die Kreditkartenplatzhirsche erwirtschaften zu können.

Hohe Gewinne locken natürlich auch Konkurrenten auf den Plan. Diese haben es jedoch zunächst schwer, sich gegen die etablierten Anbieter zu behaupten. Ein Systemwechsel ist für Großkunden wie Banken immer mit einem hohen Aufwand verbunden. Zudem muss gerade bei Geldgeschäften auch die Sicherheit gewährleistet sein. Deshalb bestehen häufig Bedenken gegen neue Anbieter, die sich noch nicht jahrelang beweisen konnten.

Wozu ein zu forsches Vorgehen führt, wurde durch den Zusammenbruch von Wirecard deutlich. Das Unternehmen wollte mit Wachstumszahlen glänzen und hat deshalb höchstwahrscheinlich über Jahre die Bilanzen frisiert. Der Skandal führte schließlich in die Insolvenz. Das ist bei den großen Kreditkartengesellschaften anders. Da stehen echte Werte hinter den bilanzierten Erfolgen.

Rechnen Sie zukünftig nicht mit dieser 14-prozentigen Rendite

Rechnen Sie zukünftig nicht mit dieser 14-prozentigen Rendite

Liebe Börsianerinnen, liebe Börsianer,

über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren war das anglo-australische Bergbauunternehmen Rio Tinto (NYSE: RIO) der Traum eines jeden Anlegers.

Anfang 2020 hätten Aktionäre Rio Tinto für weniger als 59 USD pro Aktie in ihr Portfolio aufnehmen können. Im selben Jahr zahlte das Unternehmen den Aktionären eine Dividende von 5,57 USD pro Aktie, was einer Rendite von 9,4 % entsprach.

Im Jahr 2021 stieg die Dividende auf stolze 10 USD pro Aktie, was eine erstaunliche Rendite von 17 % auf den ursprünglichen Preis bedeutete.

Heute, bei einem Aktienkurs von 70 USD, entspricht die im letzten Jahr gezahlte Dividende von 10 USD einer Rendite von 14 %.
Können die Aktionäre in Zukunft mit demselben Glück rechnen?

Das ist zweifelhaft. Wie andere Unternehmen im Rohstoffsektor zahlt Rio Tinto Sonderdividenden und variable Dividenden, wenn das Geld fließt.
Wenn wir uns an dem orientieren, was Rio Tinto seine Zwischendividende nennt, die einer regulären Dividende gleichkommt, dann hat Rio Tinto diese jedes Jahr erhöht, außer – und das ist eine große Ausnahme – im Jahr 2016, als es die Ausschüttung von 2,12 USD pro Aktie auf 1,70 USD senkte.

Wenn Sie diese Kolumne verfolgen, und sei es auch nur für kurze Zeit, dann wissen Sie, dass eine Dividendenkürzung eine Todsünde ist. Egal, wie gut alles andere aussieht, eine Dividendenkürzung führt zu einer Herabstufung.

Der Gedanke dahinter ist, dass die Unternehmensleitung, wenn sie sich erst einmal an die schreckliche Entscheidung, die Dividende zu kürzen, gewöhnt hat, dies leichter wieder tun kann.

Es gibt jedoch noch andere Aspekte, die den Aktionären von Rio Tinto in Bezug auf die Dividende Sorgen bereiten sollten.
Der freie Cashflow verdoppelte sich von 9,7 Mrd. USD im Jahr 2020 auf 18 Mrd. USD im Jahr 2021, aber es wird erwartet, dass er 2022 auf 16,3 Mrd. USD zurückgehen wird.

Im vergangenen Jahr lag die Ausschüttungsquote bei 85 % und damit über meiner Komfortgrenze von 75 %. Im Jahr 2022 werden die gezahlten Dividenden voraussichtlich den geschätzten freien Cashflow von 16,3 Mrd. USD übersteigen, was nicht gut ist.

Es ist sogar ziemlich schlecht.

Da die Zwischendividende im vergangenen Jahr nur 3,76 USD betrug, ist eine Dividendenkürzung unwahrscheinlich. Aber aufgrund des rückläufigen Cashflows von Rio Tinto und seiner Ausschüttungsquote von über 100 % sollten die Anleger auf keinen Fall damit rechnen, im Jahr 2022 wieder 10 USD pro Aktie zu erhalten. Diese Zahl wird mit ziemlicher Sicherheit niedriger ausfallen.

Bewertung der Dividendensicherheit: F

Jim Rickards hat es uns gesagt

Jim Rickards hat es uns gesagt

Liebe Börsianerinnen, liebe Börsianer,

der „alte Sack“ hat es uns gesagt, aber wir wollten nicht zuhören. Die Inflation wühlt und beschädigt die Kaufkraft nahezu aller Papierwährungen in dieser Welt. Gleichzeitig notiert der Aktienmarkt unverändert weich. Besonders US-Technologiewerte leiden unter der Eintrübung des Umfeldes.

Wie gesagt, Jim Rickards hat es bereits vor Jahren prognostiziert. Seine Bücher wie „Road to Ruin“ (Der Weg ins Verderben) oder „Currency Wars“ (Währungskrieg) waren Bestseller. Auch in der renommierten Tageszeitung New York Times konnten wir von ihm lesen.

In seinem Börsendienst Crash Trader weist er nun auch für deutschsprachige Anlegerinnen und Anleger den Weg durch die Korrektur. Jim weiß definitiv, wo von er spricht. Schließlich agiert er seit rund 40 Jahren am Kapitalmarkt und hat nun drei satte Crash-Korrekturen auf dem Kerbholz. Und die hat er nicht nur als Analyst und Chefstratege diverser Finanzhäuser erlebt, sondern vor allem erfolgreich überlebt. Der Mann ist also kein Sonntagsbörsianer, der nur Hausse kann.

Daneben verfügt er über gute Kontakte nach Washington. 2008 wurde er vor einen Ausschuss des US-Repräsentantenhauses geladen, um seinen Blick auf die Banken- und Finanzkrise mitzuteilen. Er soll mit seiner Expertise damals zur erfolgreichen Überwindung der Marktkrise beigetragen haben.

Sein Netzwerk soll bis in das Pentagon und bis in die obersten Ränge des CIA reichen. Solche Kontakte oder Kompetenzen brauchen wir als Börsianer üblicherweise nicht. In diesen Zeiten freilich können sie goldwert sein. Nicht wenige Geopolitiker sind bekanntlich der Meinung, dass der Ukrainekrieg nicht der letzte Großkonflikt der nächsten Jahre sein wird.

Am Horizont zeichnet sich eine kalte oder vielleicht sogar heiße Auseinandersetzung um Schifffahrtswege und Einflusszonen im Südchinesischen Meer ab. In diesen Tagen schadet uns als Börsianer geopolitische Kenntnis sicherlich nicht. Auch hier leistet Jim Rickards für uns alle wichtige Arbeit.

Nun, ich will Sie an dieser Stelle als Börsianer oder als politischer Mensch überhaupt nicht verschrecken. Jim Rickards prognostiziert – anders als viele deutsche Beobachter – keinesfalls den Dritten Weltkrieg oder den Untergang des Kapitalmarktes. Er plädiert allerdings dafür, realistisch zu denken und mitunter auch einmal Worst Case-Szenarien für das eigene Depot durchzuspielen.

Ich meine, dass Sie seine Überlegungen kennen sollten. So habe ich mir von ihm einen Gastbeitrag gewünscht, den er gleich am kommenden Mittwoch liefern wird. Diesen Termin müssen Sie sich vormerken.

Der Gegenwind für Gold wird zum Rückenwind

Der Gegenwind für Gold wird zum Rückenwind

Liebe Börsianerinnen, liebe Börsianer,

der Goldpreis hat sich in letzter Zeit schwergetan. Am 8. März notierte der Goldpreis auf Schlusskursbasis bei 2.043 USD pro Unze und damit nahe an seinem Allzeithoch von 2.069 USD, das im August 2021 markiert wurde. Dieses Zwischenhoch vom 8. März war zum Teil eine Reaktion auf den Einmarsch Russlands in die Ukraine am 24. Februar. Unmittelbar nach dem Einmarsch herrschte ein hohes Maß an Unsicherheit am Markt hinsichtlich der wirtschaftlichen Auswirkungen. Der Kauf von Gold schien eine natürliche Reaktion auf diese Unsicherheit zu sein.

Der Krieg ist noch lange nicht vorbei und die Ungewissheit bleibt bestehen, aber die Märkte kamen schnell zu dem Schluss, dass das russische Militär nicht so dominant ist wie befürchtet, die Sanktionen der USA und der EU Russland zermürben würden und dass die Wirtschaft trotz der Unterbrechungen der Lieferketten weiter wachsen könnte.

In Anbetracht der heiteren Reden von Wirtschaftsexperten und der intensiven pro-ukrainischen Berichterstattung sowohl in ukrainischen als auch in westlichen Medien wurde dem Goldpreis ein Dämpfer verpasst. Der Goldpreis fiel zwischenzeitlich auf 1.909 USD pro Unze, erholte sich Mitte April allerdings wieder auf 1.986 USD, um anschließend auf das derzeitige Niveau von 1.855 USD pro Unze zu fallen. Für Gold ist das ein kräftiger Rückgang in nur etwas mehr als zwei Monaten.

Im Folgenden finden Sie eine Zusammenfassung der wichtigsten Ursachen für den Rückgang des Goldpreises. Betrachten Sie dies als Ihren Spickzettel, warum der Goldpreis gefallen ist. Aber auch, warum er sich eher früher als später wieder erholen könnte:

  • Zinssätze und Inflation: Der reale Zinssatz ist die wichtigste Variable für den Goldpreis. Der Realzins ergibt sich aus dem Nominalzins abzüglich der Inflation. Derzeit liegen die Realzinsen bei etwa −7 %, wenn man 1 % als Zinsmaßstab und 8 % als Inflationsmaßstab zugrunde legt.

 

Auf den ersten Blick ist das ein äußerst günstiges Umfeld für Gold. Das Problem ist, dass die Zinssätze schnell ansteigen. Sie könnten bis Ende dieses Jahres bei 2,25 % (oder höher) liegen. Die Märkte gehen außerdem davon aus, dass die Inflation im Laufe des Jahres zurückgehen wird. Man kann darüber diskutieren, ob das stimmt oder nicht, aber diese Debatte ist nicht entscheidend.

 

Was zählt, ist die Marktwahrnehmung, und im Moment geht man davon aus, dass die Inflation bis zum dritten Quartal auf 5 % sinken könnte (zum Teil aufgrund der geldpolitischen Straffung der US-Notenbank Fed). In diesem Fall würden die Realzinsen bei −2,75 % liegen. Das ist immer noch negativ, aber viel höher als die derzeitigen −7 %. Dieser Anstieg der Realzinsen ist wie ein Gegenwind für den Goldpreis.

 

  • Der US-Dollar: Der Goldpreis notiert in US-Dollar und entwickelt sich im Allgemeinen konträr zur Stärke des US-Dollars. Ein starker US-Dollar führt demnach zu einem niedrigeren Dollarpreis für Gold, während ein schwacher US-Dollar einen höheren Dollarpreis für Gold zur Folge hat. In letzter Zeit hat sich diese Logik nicht bewahrheitet.

 

Wir sehen einen durchweg stärkeren US-Dollar und bis vor Kurzem auch einen stärkeren Goldpreis. In den letzten Monaten hat Gold nachgegeben, während der US-Dollar seinen Aufwärtstrend fortsetzte. Die Korrelation zwischen dem US-Dollar und dem Goldpreis war also gestört.

 

Ein Grund dafür ist, dass der starke US-Dollar in Wirklichkeit auf dem DXY oder dem Bloomberg-Dollar-Index basiert, die sich beide ausschließlich aus Währungen zusammensetzen und keinerlei Bezug zu Gold haben. Der starke US-Dollar wird durch weltweite Liquiditätsängste und einen Mangel an auf US-Dollar lautenden Sicherheiten (hauptsächlich Schatzanleihen) verursacht, die Banken zur Hebelung ihrer Bilanzen verwenden. Auch hier kommt Gold nicht wirklich zum Zug, wenn es um Sicherheiten der Banken geht. Kurzfristig wird uns also die US-Dollar-Bewertung nicht viel über den Goldpreis verraten.

 

  • Der Krieg in der Ukraine: Der Krieg hat sich von einem erwarteten Blitzkrieg mit Kiew als Ziel, zu einem langen, langsamen und gewalttätigen Durchmarsch durch Städte am Asowschen Meer, an der Mündung des Dnjepr und in der Donbass-Region entlang der Linie von Charkiw zur Krim entwickelt.


Es ist schwierig, verlässliche Informationen über den Krieg zu erhalten. Dennoch dominiert an den westlichen Märkten die Erwartung daran, dass Russland verliert, die Sanktionen greifen und der Welthandel trotz der unterbrochenen Lieferketten weiterlaufen wird. Diese positiven Aussichten verstärken den Gegenwind für Gold.

 

  • Die Weltwirtschaft: Auch hier gibt es nicht nur gute Nachrichten, aber sie sind offenbar nicht schlecht genug, um den Goldpreis in die Höhe zu treiben. Die Prognose der Atlanta Fed für das Wirtschaftswachstum in den USA im zweiten Quartal liegt bei 2,5 % auf Jahresbasis. Offizielle Zahlen werden wir erst Ende Juli erhalten. Dennoch gleicht dieser prognostizierte Anstieg das negative Wachstum von 1,4 % im ersten Quartal aus und deutet darauf hin, dass die USA eine Rezession vorerst knapp vermeiden können.

 

In China, Japan, dem Vereinigten Königreich und der EU verlangsamt sich das Wachstum hingegen spürbar. Den Ländern könnte es jedoch gerade so gelingen, eine globale Rezession zu vermeiden. Diese wirtschaftliche Verlangsamungsphase ist in den Märkten bereits eingepreist, sodass die Entwicklung den Goldpreis nicht wesentlich beeinflussen dürfte.

Das ist also die Zusammenfassung. Die Trends bei den Zinssätzen und der Inflation sind ein leichter Gegenwind. Der US-Dollar ist nicht sehr relevant, da er von exogenen Kräften angetrieben wird, die nichts mit Gold zu tun haben. Sowohl der Krieg als auch die Weltwirtschaft sind neutrale Faktoren, da sie zwar in mancher Hinsicht eine Herausforderung darstellen, aber nicht außer Kontrolle geraten und in den Goldmärkten bereits eingepreist sind.

Gibt es etwas, das den Goldpreis in den kommenden Monaten in die Höhe treiben wird? Ja. Der Treiber ist die Wahrscheinlichkeit, dass jede der oben genannten Prognosen völlig falsch ist.

Alle oben genannten Faktoren sind eng miteinander verwoben. Zinssätze, Inflation, US-Dollar, der Krieg und die Weltwirtschaft bewegen sich nicht isoliert voneinander – sie alle beeinflussen sich gegenseitig. Wir gehen davon aus, dass sich die Ereignisse in der realen Welt folgendermaßen abspielen werden:

Die Zinssätze werden steigen, aber es ist nicht sicher, dass die Inflation auch nur annähernd so stark zurückgehen wird, wie prognostiziert. Selbst wenn sich die Energie- und Spritpreise wieder einpendeln, steigen die Immobilienpreise und die Lebensmittelpreise weiter an. Außerdem beginnen die langlebigen Konsumgüter zu steigen. Es besteht die ernst zu nehmende Gefahr, dass sich die (von der Angebotsseite ausgehende) kostentreibende Inflation in eine (von den Arbeitnehmern und Verbrauchern ausgehende) nachfrageseitige Inflation verwandelt.

In diesem Fall werden die realen Zinssätze stark negativ bleiben. Die US-Notenbank Fed wird nicht in der Lage sein, die Zinssätze schnell genug anzuheben, um die Inflation zu dämpfen, ohne eine Rezession auszulösen.

Der US-Dollar mag im Moment der König der Währungen sein, aber er verliert gegenüber Rohstoffen auf ganzer Linie. Länder wie Russland, China, Indien, Brasilien, die Türkei, Saudi-Arabien und viele weitere haben ernsthafte Intentionen, den US-Dollar als Zahlungswährung (wenn auch noch nicht als Reservewährung) zu ersetzen, um künftige US-Sanktionen über das Zahlungssystem zu vermeiden.

Dieser Vertrauensverlust in den US-Dollar ist so groß wie seit den 1970er-Jahren nicht mehr und wird sich ähnlich auswirken – in Form von wesentlich höheren Dollarpreisen für Gold.

Was den Krieg anbelangt, so gewinnt Russland – und die Sanktionen zeigen keine Wirkung. Das werden Sie in den Mainstream-Medien oder aus dem Weißen Haus nicht hören, aber die Fakten stützen diese Schlussfolgerung. Russland hat sich fast ein Drittel der Ukraine gesichert, darunter den Donbass, die Krim, die Küste des Asowschen Meeres und Cherson. Aktuell ist Odessa im Visier.

Die ukrainischen Streitkräfte werden stark dezimiert und sind größtenteils eingekesselt. US-Waffen nützen nichts, wenn sie es nicht bis zum Schlachtfeld schaffen oder wenn es niemanden gibt, der sie einsetzen kann, wenn sie doch ankommen.

Die Sanktionen haben vor allem Putin bereichert, weil er immer noch höhere Dollarpreise für Öl und Erdgas kassiert. Die Beschlagnahmung von Oligarcheneigentum gleicht einem Gefallen für Putin, denn er verabscheut die Oligarchen und lässt die USA gern seine Drecksarbeit machen.

Die wirklichen Auswirkungen der Sanktionen werden den Westen treffen und erst in diesem Herbst zu spüren sein, wenn die Getreideexporte ausbleiben, die Verknappung strategischer Metalle die Fabriken zum Stillstand bringt und Millionen Menschen zu hungern beginnen.

Schließlich steuert die Weltwirtschaft auf eine globale Rezession zu. Die Lockdowns in China haben 50 Millionen Menschen in Shanghai und Peking bewegungsunfähig gemacht. Die chinesischen Exporte gehen nicht nur wegen der Lockdowns zurück, sondern auch wegen der Auslandsnachfrage, die momentan einbricht. Europa steht vor Energieengpässen, wenn es seine Pläne, keine Energie mehr aus Russland zu importieren, weiterverfolgt.

Die US-Wirtschaft wird rasant schrumpfen, da die Verbraucher mehr für Benzin und damit weniger für alles andere ausgeben. Diese Aussichten sind ein Rezept für Stagflation – schwaches Wachstum gepaart mit hohen Inflationsraten.

Als dies in den 1970er-Jahren geschah, stieg der Goldpreis in weniger als neun Jahren um 2.100 %. Dafür sollten Sie sich bereit machen.