Bedeutet Vermögen gleichzeitig Gesundheit?

Bedeutet Vermögen gleichzeitig Gesundheit?

Liebe Börsianerinnen, liebe Börsianer,

es heißt, dass man mit Geld kein Glück kaufen kann, und auch die Beatles sangen, dass man mit Geld keine Liebe kaufen kann.

Eine neue Studie, die im American Journal of Lifestyle Medicine veröffentlicht wurde, legt jedoch nahe, dass selbst eine rudimentäre finanzielle Bildung zu einer besseren Gesundheit führen kann.
Die Studie umfasste 345 alleinerziehende Mütter mit niedrigem Einkommen. Einige von ihnen erhielten eine finanzielle Ausbildung und Beratung, die anderen Teilnehmerinnen nicht.
Die Ergebnisse zeigten, dass die Frauen, die an der Schulung teilnahmen, nicht nur weniger finanziellen Druck hatten als die Kontrollgruppe, sondern auch weniger rauchten, besser schliefen, häufiger zum Arzt gingen und weniger Stress in ihren Beziehungen hatten als die Frauen, die keine Beratung erhielten.

Es gibt unzählige Studien, die zeigen, dass ein niedrigeres Einkommen tendenziell zu einer schlechteren Gesundheit führt. Dafür gibt es viele Gründe, z. B. der Mangel an gesunden Lebensmitteln in einkommensschwachen Gegenden oder die Tatsache, dass aus Kostengründen keine frühzeitige medizinische Behandlung in Anspruch genommen wird.

Kürzlich habe ich meine Tochter gebeten, ein paar Dinge im Supermarkt zu besorgen. Als sie zur Tür hereinkam, sagte sie: „Bio-Obst ist teuer!“
Wir haben das große Glück, dass wir es uns leisten können, viel frisches Obst und Gemüse zu kaufen, in einem Fitnessstudio zu trainieren und zum Arzt gehen zu können, wenn es nötig ist.

Aber ich habe auch erlebt, wie die Kosten für die Gesundheitsversorgung buchstäblich über Leben und Tod entscheiden können.
Ein enges Familienmitglied wurde vor ein paar Jahren schwer krank. Glücklicherweise war sie pflegeversichert. Die Versicherung bezahlte eine Haushaltshilfe, die sie wieder gesund pflegte. Hätte sie sich diese Hilfe nicht leisten können, wäre sie wahrscheinlich in einer Einrichtung untergebracht worden, die nicht annähernd das gleiche Maß an Pflege geboten hätte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie es nicht geschafft hätte.

Das Gesundheitswesen wird teuer – so können Sie Ihre Kosten senken

Wir wissen, dass die Gesundheitskosten mit zunehmendem Alter in die Höhe schnellen. Nach Angaben von Fidelity wird ein durchschnittliches 65-jähriges Ehepaar im Ruhestand mehr als 300.000 USD an Kosten für die Gesundheitsversorgung aufwenden.

Rentner und Vorruheständler brauchen also nicht nur Geld für ihre Wohnung, Lebensmittel und andere Ausgaben, sondern auch für den Fall, dass sie krank werden.

Im Folgenden finden Sie einige Möglichkeiten, Ihre Gesundheitskosten zu senken und Ihr Einkommen zu erhöhen, damit Sie sich die medizinische Versorgung auch leisten können oder wegen Ihrer Finanzen nicht so gestresst sind, wenn Sie krank werden.

  • Werden Sie gesund. Das ist eine Selbstverständlichkeit, aber nicht genug Leute tun es. Wenn Sie sich richtig ernähren, Sport treiben und ausreichend schlafen, werden Sie sich besser fühlen – und es ist billiger.
    Zu Hause mit frischen Produkten zu kochen, ist viel günstiger und gesünder als auswärts zu essen.
  • Kaufen Sie Ihre Medikamente selbst. Nur weil der CVS oder Walgreens (beides sind große Apothekenkette in den USA) an der Ecke günstig ist, heißt das nicht, dass Sie auch das beste Angebot bekommen. Es gibt kostenlose Apps und Dienste, mit denen Sie bei Ihren Medikamenten eine Menge Geld sparen können.
  • Investieren, investieren und investieren. Habe ich schon erwähnt, dass Sie investieren sollten? Sie brauchen Ihr Geld, um es zu mehren und einen größeren Wohlstand zu haben, wenn Sie älter werden. Wie wir derzeit sehen, können die Preise in die Höhe schnellen. Sie brauchen Ihr Geld, damit es mit den Preisen steigt.
    Meine Lieblingsmethode, um mit der Inflation Schritt zu halten, ist die Investition in „Perpetual Dividend Raisers“. Das sind Aktien, die eine Dividende zahlen und diese jedes Jahr erhöhen. Es handelt sich dabei in der Regel um konservativere Aktien, die sich besser entwickeln als der Markt und, was noch wichtiger ist, die Ihnen jedes Jahr mehr Einkommen verschaffen.
  • Nutzen Sie ein Gesundheitssparkonto (engl.: Health Savings Account, HSA), wenn es verfügbar ist. Ein Gesundheitssparkonto ist ein steuerlich begünstigtes medizinisches Sparkonto, das Steuerzahlern in den USA zur Verfügung steht, die in einen Krankenversicherungsplan mit hohem Selbstbehalt aufgenommen sind.
    Sie müssen nicht bis zur Pensionierung warten, um das Geld zu verwenden. Sie können es jederzeit abrufen, wenn Sie Gesundheitsausgaben haben. Aber je länger Sie das Geld wachsen lassen, desto besser. Und da Sie im Ruhestand wahrscheinlich Gesundheitskosten in sechsstelliger Höhe haben werden, sollten Sie versuchen, das Geld so lange wie möglich zu investieren.
    Beachten Sie, dass Sie nicht in Medicare (bundesstaatliche Krankenversicherung in den USA) eingeschrieben sein dürfen, um einen Beitrag zu einem HSA zu leisten. Der Zugang zu HSAs erfolgt in der Regel über einen Arbeitgeber.

Mehr Geld führt zu besseren Gesundheitsergebnissen. Ergreifen Sie jetzt die nötigen Maßnahmen – sowohl in Bezug auf Ihren Lebensstil als auch auf Ihre Finanzen –, um Ihre Gesundheit im späteren Leben zu schützen.

Dieser historische Bärenmarkt leitet eine Erholungsrallye ein

Dieser historische Bärenmarkt leitet eine Erholungsrallye ein

Liebe Börsianerinnen, liebe Börsianer,

das Jahr ist kaum fünf Monate alt und dennoch wird es bereits jetzt in die Geschichtsbücher der Finanzwelt eingehen.

Der Markt ist mit einer steigenden Inflation, steigenden Zinsen und einem Krieg in Osteuropa konfrontiert. Diese dreifache Bedrohung hat zu einem Ausverkauf an den globalen Märkten geführt.

Der technologielastige Nasdaq-Composite-Index ist in diesem Jahr bereits um 21 % gefallen und befindet sich damit im Bereich eines Bärenmarktes.
Der S&P 500 ist um 13,8 % gefallen. Dies ist der schlechteste Jahresbeginn für diesen Index seit dem Zweiten Weltkrieg.

Allein im April fiel der Nasdaq um 13 %. Das ist der schlechteste Monat seit dem COVID-Crash im März 2020. Damals herrschte so viel Unsicherheit, dass es sich anfühlte, als ginge die Welt unter.

Die Verkäufe haben in den letzten Wochen zugenommen, als die Anführer Apple und Amazon nach der Veröffentlichung ihrer Zahlen schwer getroffen wurden.
Diese „Blue Chips“ galten einst als defensive Aktien, da ihre geringe Verschuldung und ihr hoher freier Cashflow sie angeblich immun gegen Zinserhöhungen machten.

Es scheint, dass nichts mehr sicher ist. Doch dies könnte ein gutes Zeichen sein. Die ranghöchsten Generäle sind in der Regel die letzten, die in der Schlacht fallen.
Und dies ist nicht das erste Mal, dass der Markt in den letzten Jahrzehnten einen starken Ausverkauf erlebt hat.
Wenn die Geschichte ein Anhaltspunkt ist, könnte es in der zweiten Jahreshälfte zu einer Erholungsrallye kommen.

Ein besseres Bild von den Schäden des Bärenmarktes

Oberflächlich betrachtet sieht dies wie ein gewöhnlicher Bärenmarkt mit einem Minus von 20 % aus. Aber die inneren Werte des Marktes erzählen eine andere Geschichte.
Der Schaden für einzelne Aktien ist genauso groß wie bei den früheren Bärenmärkten der letzten 20 Jahre.

Werfen Sie einen Blick auf das folgende Diagramm. Es zeigt den Prozentsatz der Nasdaq-Aktien, die um 50 %, 75 % oder 90 % gefallen sind.
So können wir uns ein besseres Bild von den Schäden des Bärenmarktes machen:

Wie Sie sehen können:

  • 45 % der Nasdaq-Werte sind um 50 % gefallen.
  • 22 % der Nasdaq-Werte sind um 75 % gefallen.
  • 5 % der Nasdaq-Werte sind um 90 % gefallen.

Denken Sie einen Moment darüber nach: Fast 50 % der Nasdaq-Werte haben sich halbiert. Fast jeder vierte Wert ist um 75 % gefallen!
Beachten Sie, dass der aktuelle Bärenmarkt damit auf einer Stufe mit den früheren Bärenmärkten 2001 bis 2002, 2008 bis 2009 und 2020 steht.

Der Markt erwartet eine Rezession

Der Schaden deutet darauf hin, dass der Markt eine Rezession einpreist.
Der Grund für den jüngsten Ausverkauf ist ein starker Anstieg der erwarteten Zinserhöhungen für 2022.

Der Markt preist Zinserhöhungen ein, bevor sie eintreten. Dies lässt sich an den von CME ermittelten Zinssatzwahrscheinlichkeiten für die Sitzung der Federal Reserve im Dezember 2022 ablesen.
Derzeit besteht eine 85,9-prozentige Chance, dass die Fed die Zinsen bis Ende des Jahres auf 2,75 % bis 3,25 % anhebt. Vor einem Monat lag die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed die Zinsen so schnell anhebt, noch bei 31,2 %.

Aber die tatsächliche Wahrscheinlichkeit einer Rezession liegt derzeit bei nur 35 %.

Wenn sich die Inflationszahlen ausgehend von ihren 40-Jahres-Höchstständen abkühlen und die Fed eine gemäßigte Haltung signalisiert, könnte es in der zweiten Jahreshälfte zu einer deutlichen Erholung kommen.

 

Ist diese 10,7-prozentige Rendite zu hoch für die erwirtschafteten Erträge?

Ist diese 10,7-prozentige Rendite zu hoch für die erwirtschafteten Erträge?

Liebe Börsianerinnen, liebe Börsianer,

Hercules Capital Inc. (NYSE: HTGC) ist eine Business Development Company (BDC), die sich auf die Kreditvergabe an aufstrebende Unternehmen konzentriert.

Die Investmentgesellschaft hat mehr als 560 Unternehmen finanziert und über 230 Exits (Veräußerung der Beteiligung) in Form von Börsengängen oder Fusionen durchgeführt.
Zu den von ihr finanzierten Unternehmen gehören unter anderem:

  • Impossible Foods, der Hersteller des pflanzlichen Impossible-Burgers
  • Vela Trading, ein Unternehmen, das Software für Marktdaten herstellt
  • Carbon Health, das eine ganze Reihe von Kliniken für die primäre Gesundheitsversorgung unterhält

Die Dividendensituation von Hercules Capital ist nahezu einzigartig, da das Unternehmen zusätzlich zu seiner vierteljährlichen Dividende regelmäßig eine variable Zusatzdividende zahlt.
Im März 2022 zahlte das Unternehmen beispielsweise eine vierteljährliche Dividende von 0,33 USD pro Aktie und eine zusätzliche Dividende von 0,15 USD pro Aktie. Die Annualisierung beider Zahlungen ergibt eine Rendite von 10,7 %. Im vorangegangenen Quartal betrug die Zusatzdividende 0,07 USD je Aktie.

Hercules Capital begann 2018 mit der Zahlung von Zusatzdividenden, die jedoch erst ab 2021 zu den vierteljährlichen Dividendenzahlungen hinzugefügt wurden.
Das Unternehmen hat seine Ausschüttung seit der Finanzkrise nicht mehr gekürzt. Seitdem ist die reguläre Dividende für die Aktionäre stetig gestiegen, wenn auch nicht unbedingt jedes Jahr.

Während der griechische Halbgott Herkules für seine Stärke bekannt ist, könnte die zweistellige Dividendenrendite von Hercules Capital zu hoch sein.

BDCs weisen Nettokapitalerträge (engl: Net Investment Income, NII) aus. Dies ist der Geldbetrag, den ein BDC mit seinen Investitionen verdient. Diese Kennzahl verwenden wir üblicherweise zur Bestimmung der Dividendensicherheit für diese Kategorie von Unternehmen.

Die Nettokapitalerträge sanken von 157 Millionen Dollar im Jahr 2020 auf 150 Millionen Dollar im Jahr 2021. Unser Bewertungssystem Safety Net sieht es nicht gern, wenn die Nettokapitalerträge sinken. Ich gehe davon aus, dass die Nettokapitalerträge in diesem Jahr wieder auf den richtigen Weg zurückkehren und wachsen werden, anstatt weiter zu sinken.

Besonders besorgniserregend ist, dass Hercules Capital mehr Dividenden ausgeschüttet hat, als es an Nettokapitalerträgen erwirtschaftet hat.
Im Jahr 2021 zahlte Hercules 176 Millionen USD an Dividenden, während sich die Nettokapitalerträge auf nur 150 Millionen USD beliefen.

Mit anderen Worten: Für jeden 1 USD, den Hercules Capital aus seinen Investitionen erwirtschaftete, zahlte es den Aktionären 1,17 USD.

Noch beunruhigender ist die Tatsache, dass die Dividendenausschüttung bis 2023 auf 195 Millionen USD steigen soll, während die Nettokapitalerträge immer noch nicht annähernd ausreichen, um die Dividende zu decken.

Hercules Capital kann die Zusatzdividende einfach kürzen, ohne dass dies wie eine Kürzung aussieht. Aber wenn eine Zusatz- oder Sonderdividende regelmäßig gezahlt wird, kann diese Art von Strategie niemanden täuschen.

Wie auch immer man es ausdrücken möchte, die Gesamtdividende, die die Aktionäre von Hercules Capital erwarten, ist in Gefahr.

Wenn die Nettokapitalerträge des Unternehmens in diesem Jahr nicht über den Erwartungen liegen, besteht ein hohes Risiko einer Kürzung der Gesamtdividende.

Bewertung der Dividendensicherheit: D

 

Es ist an der Zeit, US-Truppen in die Ukraine zu entsenden

Es ist an der Zeit, US-Truppen in die Ukraine zu entsenden

Liebe Börsianerinnen, liebe Börsianer,

es scheint, dass immer mehr Kommentatoren und Politiker eine stärkere Rolle der USA in der Ukraine fordern, sogar die Entsendung von Bodentruppen. So erklärte US-Senator Chris Coons aus Delaware kürzlich: „Wir im US-Kongress und die US-Regierung [müssen] zu einer gemeinsamen Position darüber kommen, wann wir bereit sind, den nächsten Schritt zu wagen und nicht nur Waffen, sondern auch Truppen zur Verteidigung der Ukraine zu schicken.“

Coons nahm seine Äußerungen später zurück, aber er ist nicht der Einzige, der sich für die Entsendung von Truppen in die Ukraine ausgesprochen hat. General Philip Breedlove, ehemaliger Oberbefehlshaber der NATO, schlug vor, die NATO solle Truppen in die Westukraine entsenden, um dort humanitäre Aufgaben zu erfüllen und einen Nachschubstützpunkt für Waffen einzurichten.

Das ist ja schön und gut, aber die Einrichtung eines Waffennachschubs in der Westukraine zieht uns mitten in den Konflikt hinein. Glauben Sie, dass Russland sich einfach zurücklehnt und dabei zusieht, wie die NATO Waffen liefert, um den Ukrainern zu helfen, noch mehr Russen zu töten?

Russische Raketen haben bereits Waffen zerstört, die von den USA und ihren NATO-Verbündeten an die Ukraine geliefert wurden. Was passiert erst, wenn Russland einen Waffennachschubstützpunkt angreift und eine Reihe von amerikanischen Soldaten tötet?

Die Reaktion darauf würde darin bestehen, die russischen Streitkräfte als Vergeltung anzugreifen. Die USA und Russland stünden dann auf der Eskalationsleiter (mehr dazu weiter unten).

„Hören Sie auf, sich Sorgen zu machen!“

General a. D. Ben Hodges meint unterdessen: „Ich habe immer noch nicht das Gefühl, dass wir alle gewinnen werden. Wir haben das Potenzial für einen Dritten Weltkrieg so hoch eingestuft, dass wir unsere politischen Entscheidungen auf der Grundlage einer übertriebenen Angst treffen.“

Aber vielleicht ist es nicht die Angst, die die USA davon abhält, direkt in der Ukraine zu agieren, sondern Besonnenheit. Man setzt darauf, dass ein konventioneller Konflikt mit Russland nicht zu einem Atomkrieg eskalieren wird. Und vielleicht haben die Entscheidungsträger recht. Vielleicht würde er das nicht. Aber ist das ein Risiko, das wir eingehen wollen?

Seit dem Fall der Berliner Mauer 1989 und der Auflösung der Sowjetunion 1991 ist die nukleare Kriegsführung kein Thema mehr, über das in den letzten rund 30 Jahren viel diskutiert wurde. Es ist sicherlich kein Thema, über das Nicht-Experten nachdenken wollen, denn die Auswirkungen sind sowohl schrecklich als auch existenziell. Dennoch ist kein Thema heute wichtiger als dieses.

„Don’t Go There“

Die Theorien zur nuklearen Kriegsführung wurden hauptsächlich in den 1950er- und 1960er-Jahren von Wissenschaftlern wie Herman Kahn, Henry Kissinger und Albert Wohlstetter entwickelt. Ich habe ihre Arbeiten Ende der 1960er-Jahre im Rahmen meines Studiums der internationalen Beziehungen gelesen und mich während meines Studiums sowie darüber hinaus weiter mit dem Thema beschäftigt.

Die wissenschaftlichen Ansätze unterschieden sich in mancher Hinsicht in Bezug auf die Doktrinen der Gegenkraft (Raketen auf Raketen richten), des Gegenwerts (Raketen auf Städte richten), des Erstschlags, des Zweitschlags und der gegenseitigen Zerstörungssicherheit. Aber in einer Sache waren sie sich alle einig: „Don’t go there“ – „Lass es bleiben.“

Das bedeutet, dass man weder mit einem Atomkrieg einen Angriff beginnen, noch diesen Angriff mit einem Atomkrieg beenden solle. Aber er kann trotzdem stattfinden.

Die Eskalationsleiter erklimmen

Der Prozess, der zum Atomkrieg führt, wird Eskalation genannt. Zwei Nuklearmächte beginnen mit einem Missstand irgendeiner Art. Dieser Missstand kann mithilfe von Stellvertreterkriegen ausgetragen werden, wie in Vietnam in den 1960er-Jahren und in Afghanistan in den 2000er-Jahren.

Eine Seite eskaliert den Konflikt, indem sie etwas Unerwartetes oder Extremes tut. Die andere Seite bleibt nicht untätig, sondern führt eine extreme Vergeltungsmaßnahme durch. Der erste Akteur erwidert dann die Vergeltung und so weiter. Jetzt haben wir eine Dynamik, bei der zwei Seiten die Eskalationsleiter hinaufsteigen.

Auch hier ist es wichtig zu betonen, dass keine der beiden Seiten wirklich einen Atomkrieg will, aber wenn sie einmal angefangen haben, die Eskalationsleiter zu erklimmen, ist es schwer, damit aufzuhören. Irgendwann treibt eine Seite die andere so weit, dass die einzige Antwort der Einsatz von Atomwaffen ist. An diesem Punkt ist es nicht mehr nur eine Eskalation, sondern man steht am Rande eines Atomkriegs.

Benutzen oder verlieren

Erschwerend kommt hinzu, dass jede Seite das Gefühl hat, die andere Seite könnte nuklear vorgehen, sodass unweigerlich Druck entsteht, zuerst nuklear vorzugehen, um nicht selbst getroffen zu werden. Dies führt zu einem weiteren Theoriezweig, der sich mit Erstschlag-, Zweitschlag-, Gegenkraft- und Gegenwertstrategien usw. befasst. Ich muss diese Theorien nicht weiter vertiefen, um deutlich zu machen, dass ein Atomkrieg nicht mit einem Atomangriff beginnt. Er beginnt mit kleinen Schritten, die außer Kontrolle geraten.

Durch den Krieg in der Ukraine ist die Welt diesem apokalyptischen Zustand näher als jemals zuvor (abgesehen von der Kubakrise 1962). Das bedeutet nicht, dass sich beide Seiten sofort mit Interkontinentalraketen beschießen würden. Jeder Nuklearkonflikt würde wahrscheinlich mit taktischen Nuklearangriffen beginnen, d. h. mit Waffen geringerer Sprengkraft, die dazu bestimmt sind, gegnerische Truppenverbände, Militärbasen usw. auszuschalten.

Russland hat bereits davor gewarnt, dass es taktische Atomwaffen einsetzen könnte. Die USA und die NATO scheinen zu glauben, dass Russland blufft und es daher sicher ist, die Eskalation fortzusetzen. Vielleicht stimmt das auch, vielleicht aber auch nicht.

Im Gegensatz zu den USA, die den Einsatz von Atomwaffen nur als letztes Mittel betrachten, steht die russische Militärdoktrin dem Einsatz taktischer Atomwaffen auf dem Schlachtfeld viel offener gegenüber.

Man geht davon aus, dass Russland über mehr als 2.000 taktische Atomwaffen verfügt, während die USA weniger als 250 besitzen. Angesichts der konventionellen Unterlegenheit Russlands gegenüber den USA und der NATO ist es nicht verwunderlich, dass Russland über so viele taktische Atomwaffen verfügt.

Um es klar zu sagen: Ich sage keinen Atomkrieg voraus. Ich weise lediglich auf die Risiken hin, die entstehen, wenn beide Seiten die Eskalationsleiter in Richtung Atomkrieg betreten. Es ist leichter, aufzusteigen als abzusteigen.

In den Krieg stolpern

Inzwischen gibt es glaubwürdige Berichte, wonach britische Spezialeinheiten in der Ukraine sind und die Ukrainer in Sabotage und anderen Spezialoperationen ausbilden. Ähnliche Berichte kursieren über US-amerikanische und französische Spezialeinheiten in der Ukraine.

Die USA, das Vereinigte Königreich und Frankreich sind alle Mitglieder der NATO. Sollte einer dieser Truppen getötet werden oder auf russische Streitkräfte treffen, könnte dies als Krieg zwischen Russland und der NATO angesehen werden, was einem Dritten Weltkrieg gleichkäme.

Russland untersucht diese Behauptungen. Für sich genommen mögen diese Spezialeinheiten wie eine kleine Eskalation erscheinen. Aber es ist genau die Art von Aktion, die zu etwas viel Schlimmerem führen kann.

Das Weiße Haus täte gut daran, dasselbe zu lernen, was ich in den späten 1960er-Jahren gelernt habe. Stattdessen scheint es, als sei im Weißen Haus niemand zu Hause. Wir spielen mit dem Feuer, denn das Eskalationspotenzial steigt weiter. Und damit leider auch der potenzielle Marsch in Richtung eines Atomkriegs, von dem man uns sagt, wir sollten uns keine Sorgen machen.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich bin ein wenig besorgt.

Marie Antoinette ist am Leben und wohlauf

Marie Antoinette ist am Leben und wohlauf

Liebe Börsianerinnen, liebe Börsianer,

wie gefällt Ihnen die voranschreitende Inflation, die wir aktuell erleben? Nun, Teresa Ghilarducci, Professorin an der New School for Social Research, ist der Meinung, dass Sie sich damit abfinden sollten. Sie sollte mit dem „Marie-Antoinette-Preis“ für arrogante Kommentare kurz vor einer Revolution ausgezeichnet werden.

Nur um Ihr Gedächtnis aufzufrischen: Vor der Französischen Revolution soll die damalige Prinzessin Marie Antoinette, die Frau von König Ludwig XVI., als Antwort auf einen Bericht, dass die französischen Bauern kein Brot hätten, gesagt haben: „Lasst sie Kuchen essen.“ La Brioche, wie es im Französischen heißt, ist eine mit Butter und Eiern angereicherte Brotsorte, die als Luxusgut galt.

Seit 230 Jahren ist „Lasst sie Kuchen essen“ das Symbol für abgehobene Eliten, die kein Mitgefühl für die einfachen Menschen und kein Gespür für die Schwierigkeiten in ihrem Leben haben. Jetzt kommt Professor Ghilarducci und legt die Messlatte noch ein Stück höher.

Fahren Sie mit der U-Bahn, essen Sie Linsen und lassen Sie Ihr Haustier sterben

Sie gibt den Amerikanern, die mit sinkenden Realeinkommen und einer außer Kontrolle geratenen Inflation zu kämpfen haben, einen Rat. Sie beginnt damit, dass ihr Rat für diejenigen gilt, die weniger als 300.000 Dollar pro Jahr verdienen.

Das sind etwa 99 % der Bevölkerung, aber Professor Ghilarducci kennt wahrscheinlich keinen von ihnen. In ihrer elitären Welt verdienen sie und ihre Freunde mindestens 300.000 Dollar – viele verdienen wohl weit mehr. Also schreibt sie an die „US-Bauern“. Welchen Rat gibt sie?

Sie schreibt: „Diejenigen, die am stärksten betroffen sind, werden sich auf klassische Weise an die Inflation anpassen, indem sie sich von relativ teuren Produkten abwenden und auf nahe Ersatzprodukte umsteigen.“ Mit anderen Worten: Die Bauern werden ihren Lebensstandard senken müssen.

Sie schlägt vor, das Auto nicht mehr so oft zu benutzen und auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Das ist in Ordnung für Professoren, die in New York City leben (obwohl ich bezweifle, dass Ghilarducci viel mit der U-Bahn fährt), aber es funktioniert nicht für die große Mehrheit der Amerikaner, die in Vorstädten oder ländlichen Gebieten leben.

Die Fleischpreise steigen und sie werden noch weiter steigen. Ghilarducci rät, „schmackhafte Fleischersatzprodukte“ wie Linsen und Bohnen zu essen. Tierhaltern rät sie, auf tierärztliche Behandlungen zu verzichten.

Da haben Sie es also: Nehmen Sie die U-Bahn, essen Sie Linsen, verzichten Sie auf neue Kleidung und lassen Sie Ihre Haustiere sterben. Ghilarduccis Ratschläge sind widerwärtig. Dennoch dienen sie dem Zweck, uns alle daran zu erinnern, wie versnobt und abgehoben die Eliten wirklich sind.

Mein Rat lautet, Professoren zu ignorieren, nicht auf Regierungsbeamte zu hören, sich an den gesunden Menschenverstand zu halten und alle Politiker, egal welche Parteizugehörigkeit sie haben, bei der erstbesten Gelegenheit aus dem Amt zu wählen.

Die US-Notenbank liegt weit hinter der Kurve

Leider wird die Inflationsrate wahrscheinlich noch weiter steigen. Auf der März-Sitzung der US-Notenbank Fed wurden die Zinsen von 0,00 % auf 0,25 % angehoben. Bei einer Inflationsrate auf Jahresbasis von 7,9 % (und noch höheren Energiepreisen) war der Schritt der Fed jedoch lächerlich gering. Er hat lediglich deutlich gemacht, wie weit die Fed tatsächlich hinter der Kurve zurückliegt.

Der Vorsitzende der US-Notenbank Powell hat den Märkten signalisiert, dass die Fed wiederholt und aggressiv gegen die Inflation vorgehen wird. Er hat zugegeben, dass die Inflationsprognosen der US-Notenbank für Q3 und Q4 2021 weit danebenlagen. Er scheint entschlossen zu sein, die verlorene Zeit wieder aufzuholen.

Auf der März-Sitzung sagte Powell: „Wir werden die notwendigen Schritte unternehmen, um eine Rückkehr zur Preisstabilität zu gewährleisten. Insbesondere wenn wir zu dem Schluss kommen, dass es angemessen ist, den Leitzins auf einer oder mehreren Sitzungen um mehr als 25 Basispunkte anzuheben, werden wir dies tun.“

Dies ist ein klares Signal, dass die Fed die Zinssätze auf einmal um bis zu 0,50 % anheben kann und dies auf mehreren Sitzungen tun wird. Der Fed-Vorsitzende macht keine derartigen Ankündigungen, ohne sie umzusetzen. Aber ist das genug?

Die US-Notenbank müsste den Leitzins auf 8 % anheben, um die Inflation in den Griff zu bekommen

Selbst wenn die Fed die Zinssätze im Mai und Juni um 0,50 % anhebt und dann auf den Sitzungen im Juli, September, November und Dezember weitere Zinserhöhungen um 0,25 % vornimmt, würde dies die Zinssätze bis zum Ende dieses Kalenderjahres nur auf 2,25 % bringen.

Die Inflation liegt jedoch bei über 7,9 %. Das bedeutet, dass selbst bei diesen Zinserhöhungen (die noch nicht stattgefunden haben) die realen Zinssätze im Dezember immer noch bei negativen 5,65 % liegen würden (2,25 % − 7,9 % = −5,65 %).

Wie kann man die Inflation mit negativen Realzinsen stoppen? Man kann es nicht. Die Fed müsste die Zinsen auf 8 % oder mehr anheben, um bei einer Inflation von 7,9 % wieder positive Realzinssätze zu erreichen. Das wird natürlich nicht passieren.

Die Haushaltsdefizite des Bundes würden explodieren und eine schwere Rezession würde einsetzen, bevor die Fed diesen Plan überhaupt umsetzen könnte.

Seien Sie vorsichtig, was Sie sich wünschen

Die US-Notenbank kämpfte jahrelang darum, eine Inflationsrate von 2 % zu erreichen. Aber sie hätte vorsichtig sein sollen, was sie sich wünscht. Jetzt ist die Inflation in relativ kurzer Zeit auf 7,5 % gestiegen und die Fed liegt weit hinter der Zinskurve zurück.

Das Problem ist, dass sich Inflationserwartungen, sobald sie entstehen, verselbstständigen können. Wenn sie erst einmal Wurzeln geschlagen haben, kann die Inflation mit voller Wucht zuschlagen. Eine zweistellige Inflationsrate könnte daher schnell folgen. Das liegt daran, dass die Inflationsrate keiner linearen Entwicklung folgt.

Was ich damit meine, ist, dass die Inflationsrate nicht schrittweise von 2 % auf 3, 4, 5 oder 6 % steigt. Es ist wirklich schwer, die Inflationsrate so exakt zu steuern, dass sie von 2 % genau auf 3 % steigt. Wenn die Inflation einmal Einzug gehalten hat, kann sie schnell an Fahrt gewinnen.

Viele versuchen, die Unterbrechung der Lieferkette und die russische Invasion in der Ukraine dafür verantwortlich zu machen. Dies sind zwar Faktoren, aber die Ursachen sind eigentlich irrelevant. Wenn sich die Inflationserwartungen erst einmal festgesetzt haben, kann es sehr schwierig sein, sie wieder loszuwerden.

Das Inflationspferd ist über den Zaun gesprungen und läuft frei herum

Die Inflation ist nicht nur ein monetäres Phänomen (bei allem Respekt vor Milton Friedman), sondern auch eine Teilfunktion der Verhaltenspsychologie. Es ist sehr schwierig, Menschen dazu zu bringen, ihre Erwartungen zu ändern, aber wenn man es geschafft hat, ist es schwer, sie wieder umzustimmen.

Unterm Strich kann die Inflation sehr schnell außer Kontrolle geraten. Wenn die Menschen glauben, dass eine Inflation bevorsteht, werden sie entsprechend danach handeln. Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes wird zunehmen und schon bald wird die erwartete Inflation von selbst eintreten, es sei denn, die Geldmenge wird stark verknappt.

Steht uns also eine zweistellige Inflation bevor? Das ist möglich. Nur um das klarzustellen: Ich mache hier keine konkrete Prognose, aber wenn es dazu kommt, dann könnte es sehr schnell gehen. Wir haben bereits 7,9 % erreicht und die US-Notenbank liegt weit hinter der Zinskurve.

Dies ist ein weiterer Grund, warum es jetzt sinnvoll ist, in Gold zu investieren. Denn wenn die Inflationsrate erst einmal zweistellig ist, wird Gold wesentlich teurer zu erwerben sein.

 

Die stärkste Waffe des Westens

  1. März 2022

Sehr geehrte Börsianerinnen und Börsianer,

da die NATO-Länder weitere Sanktionen gegen Russland verhängen, müssen wir uns auf die wirtschaftlichen Folgen für den Westen einstellen, wenn Putin darauf reagiert. Wie werden sich die Ölversorgung und die unterbrochenen Lieferketten auf die Weltwirtschaft auswirken, wenn dies geschieht? Diesen Fragen werden wir nachgehen.

Eine Welle der öffentlichen Unterstützung aus der ganzen Welt ermutigt die Ukraine in ihrem tapferen Widerstand. Amerikaner sympathisieren natürlich mit den Ukrainern. Wenn eine Armee eine souveräne Grenze überschreitet, unterstützen wir diejenigen, die ihre Familien und Gemeinden in einem unnötigen Angriffskrieg verteidigen. Unsere Gebete gehen an alle, die leiden.

Dennoch müssen Sie Ihr Portfolio schützen, besonders in Zeiten wie diesen. Betrachten wir ein wahrscheinliches Finanzmarktszenario, das auf den Ereignissen der vergangenen Woche und dem heutigen Stand der Dinge beruht.

Die Staats- und Regierungschefs der EU, der USA und der NATO haben ein Sperrfeuer an Wirtschafts- und Bankensanktionen ausgelöst. Aber sie sind naiv, wenn sie glauben, dass eine wirtschaftliche Abschottung Russlands keine schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen für den Westen haben wird. Die führenden Politiker sollten ihren Wählern offen sagen, wie viel wirtschaftlichen Schaden Putin anrichten kann, wenn er in den kommenden Wochen zurückschlägt – vor allem durch die Öl- und Gasversorgung.

Mehr Öl- und Gaslieferungen zu niedrigeren Preisen sind der beste Weg, um ein Druckmittel gegen Putin zu erlangen, einen Mann, der bereit ist Zivilisten als Teil seines “Verhandlungsprozesses” zu töten. Dies ist nicht der richtige Zeitpunkt für die EU oder die USA, um die Wind- und Solaragenda nochmals stärker voranzutreiben.

Eine sofortige und drastische Steigerung der Öl- und Gasexploration wäre die wirksamste Waffe, um sich gegen Putin zu wehren. Dies wäre weitaus wirksamer und nachhaltiger als Bankensanktionen, die ein ungewisses weltweites finanzielles und wirtschaftliches Rückschlagrisiko bergen.

Bemühungen, das russische Finanzsystem zum Einsturz zu bringen, ignorieren eine offensichtliche Tatsache: Zahlungen gehen in die eine Richtung, Waren und Dienstleistungen in die andere. Im Falle Russlands geht es dabei vor allem um Energie und Lebensmittel. Jim Rickards hat dieses Thema in seinem Twitter-Feed behandelt. Anfang dieser Woche twitterte Jim Rickards:

„Aktien eröffnen mit großen Verlusten. Wer weiß, wie es danach weitergeht? Das ist nicht die Gefahr. Die Gefahr geht vom Bankensystem aus, von Interbankenkrediten, Eurodollars, Repo-Geschäften und anderen Hebelwirkungen, die auf der Besicherung von Schatzwechseln basieren. Es ist leicht, Russland zu zerschlagen. Es ist unmöglich, zu wissen, was als nächstes kommt.“

Um auf das Hauptthema zurückzukommen: Die Förderung einer höheren Energieproduktion in den USA ist nicht deshalb so wichtig, weil es ein beliebtes Argument der Republikaner ist. Es ist wichtig, weil die nackten Tatsachen zeigen, dass die Investitionen nicht ausreichen, um die weltweite Ölnachfrage bei den heutigen Preisen zu decken.

Dies gilt auch für Europa, wo man versäumt hat in die Öl- und Gasreserven zu investieren, die sich noch in der Nordsee befinden. Norwegen hat anständig investiert. Die Briten und die Niederländer haben sich jedoch ganz auf die Windenergie verlegt, so dass Öl und Gas in ihren Nordseesektoren ungenutzt bleiben.

Westliche Ölgesellschaften haben nicht genug in Bohrprojekte investiert, um mögliche Lieferausfälle seitens Russland auszugleichen. Banken, Ölhandelsfirmen und Raffinerien scheuen sich davor russisches Öl zu importieren. Das bedeutet, dass die Preise weiter steigen könnten, bis die Nachfrage zusammenbricht. Damit die Ölnachfrage so weit zurückgeht, dass sie dem starken Rückgang des verfügbaren Angebots entspricht, sind höhere Preise erforderlich.

Jim und ich haben die vergangene Woche damit verbracht, über die Ereignisse in der Ukraine und ihre Auswirkungen auf die Finanzmärkte zu lesen und uns darüber auszutauschen. Wir denken über die Auswirkungen auf die Inflation nach, wenn viele Verbindungen in der globalen Lieferkette für Rohstoffe unterbrochen und umgelenkt werden. Die Schaffung neuer Verbindungen würde Zeit und Geld kosten.

So kann Deutschland beispielsweise nicht einfach mit den Fingern schnippen und das von seiner politischen Führung gewünschte Flüssiggas-Importterminal in Betrieb nehmen. Auch die USA können ihre LNG-Exportkapazitäten nicht so schnell erhöhen. Die Kapazitäten sind bereits sehr knapp bemessen. Kostenexplosionen bei LNG-Terminalbauprojekten haben Ingenieur- und Bauunternehmen in den Konkurs getrieben.

Der Bau weiterer LNG-Exportkapazitäten in den USA wäre sehr kostspielig. Als die Stahlpreise nur einen Bruchteil der heutigen Preise betrugen, war dies kaum machbar. Und heute? Die Vollkosten für die Gasverflüssigung müssten erheblich steigen, um die viel höheren Kosten für den Bau der Anlagen zu finanzieren.

Was ist mit dem Energietransport? Öltanker müssten möglicherweise viel mehr Meilen fahren, wenn Raffinerien in aller Welt kein russisches Rohöl mehr annehmen könnten. Die Raffinerien müssten möglicherweise investieren, um eine Änderung der Rohölsorten zu bewältigen. Die Pipelinenetze müssten neu konzipiert werden.

All dies ist nur der Anfang dessen, was für den Übergang zu einem weniger effizienten, stärker duplizierten und multipolaren globalen Rohstoffhandelssystem erforderlich wäre.

Was ist, wenn Russland zu einem Pariastaat wie Iran oder Venezuela wird und seine Rohstoffe auf dem Schwarzmarkt an autokratentolerante Käufer wie China verkaufen muss? Es ist ein offenes Geheimnis, dass China viel iranisches Öl auf dem Schwarzmarkt einführt, obwohl der Iran unter strengen internationalen Sanktionen steht.

Mein Punkt ist folgender: Wenn die heiklen, eng miteinander verflochtenen Handels- und Zahlungsbeziehungen rund um den Globus neu geordnet werden, wird das sehr teuer werden. Da gibt es nichts zu beschönigen. Die Duplizierung der Lieferketten würde ein Jahrzehnt oder länger dauern, die Grenzkosten der Produktion erhöhen und den Lebensstandard senken (vor allem durch Inflation).

Die gute Nachricht ist, dass die Volkswirtschaften nach einem langen Wiederaufbau- und Verlagerungsprozess widerstandsfähiger und weniger anfällig sein würden. Die schlechte Nachricht ist, dass dies sehr lange dauern und für viele ein schmerzhafter Prozess sein wird.

Außerdem müssen wir realistisch einschätzen, wie viel mehr Wirtschaftstätigkeit durch verschwenderische Staatshaushalte gelenkt werden kann. „Wir brauchen mehr Subventionen! Preiskontrollen! Darlehensbürgschaften! Und noch mehr!“, sagen die Kontrollfreaks, die in der Politik nur allzu oft an die Spitze gelangen.

Wenn es nur so einfach wäre. Leider ist es das nicht.