Was hat Donald Trump bitte mit den Autoexporten?

Was hat Donald Trump bitte mit den Autoexporten?

Lieber Börsianer,

zumindest der DAX präsentierte sich in dieser Woche in guter Verfassung. Donald Trump wird nun zunächst doch keine Sonderzölle auf Autoimporte aus Deutschland und Japan einführen, zumindest nicht in den nächsten 6 Monaten. Dem DAX verhalf diese neuerliche Wendung des US-Präsidenten immerhin auf Wochensicht zu einem kleinen Kursplus von etwas über einem Prozent.

Großartig ist diese Perspektive natürlich nicht. Das Damokles-Schwert des Sonderzolls liegt damit weiterhin über den wichtigen deutschen Autoexporten. So überrascht es auch nicht, dass Auto-Aktien selbst nicht vorankamen. Im Gegenteil: VW büßte 3 % ein, während Daimler 4 % verlor.

Richtig böse wurde der Maschinenbauer Aumann gebeutelt. Das Unternehmen entwickelt und baut bevorzugt Produktionsanlagen für die Autoindustrie und konnte sich der schwachen Branchenstimmung im ersten Quartal nicht wirklich entziehen. Unter dem Strich meldete Aumann einen Gewinnrückgang in Höhe von 3 % auf 4,7 Millionen Euro.

Die Investoren reagierten wieder einmal sehr aufgeregt und verkauften die Aumann-Aktie wahllos. So steht auf Wochensicht nun ein Minus von 17 % hinter der Aktie. Der maßlose Kursabschlag ist natürlich übertrieben. Er zeigt allerdings, dass die Autobranche bzw. ihre Aktien momentan für die Investoren nicht ganz einfach sind. Auch bei Aumann drängt sich ungeachtet des Kursrückgangs aus technischer Sicht immer noch kein Kauf aus. Kurzfristig drohen hier wohl weitere Verluste.

Die Rechnung der neuen US-Handelspolitik

Im Mittelpunkt der neuen US-Handelspolitik stehen ganz offensichtlich Autoexporte aus Deutschland und Japan. Die übrigen Exporte aus diesen Ländern scheinen den mächtigsten Mann der USA weniger zu interessieren. Warum ist das eigentlich so?

Das Trump-Team um den Handelsminister Wilbur Ross hat eine einfache Rechnung aufgemacht: Es gibt zwei große Verursacher für das Handelsbilanzdefizit der USA. Zum einen ist das China. Hier haben sich die Strategen im Weißen Haus auch nicht nur eine Branche herausgepickt, sondern aus ihrer Sicht sind die Exporte aus China im Ganzen zu hoch und zu billig. Deshalb nun die Sonderzölle gegen Importe aus China.

Der andere bedeutende Faktor für das Handelsdefizit sind Autos, vor allem aus Deutschland, Japan und Südkorea. In anderen Branchen wie etwa Chemie oder Maschinenbau ist das Ungleichgewicht aus US-Sicht weniger gravierend. Genau deshalb spricht Donald Trump immer von den Autoexporten.

Unverändert findet die deutsche Politik gegenüber der neuen US-Handelspolitik keinen konstruktiven Ansatz. Das ewige Mantra vom freien Welthandel beeindruckt den US-Präsidenten nur ganz mäßig. Stattdessen hätte er sich z.B. gewünscht, dass Deutschland Flüssiggas aus den USA bezieht. Berlin hingegen favorisiert unverändert das Nordstream-Projekt, also Gas aus Russland.

Momentan sehe ich die Gefahr, dass die Berliner Regierung am Ende billiges russisches Gas gewinnt, aber gleichzeitig Autogeschäft in den USA verliert. Das wäre besonders für VW, Daimler und Co. kein guter Deal.

Als Börsianer haben wir es nicht in den Händen und können nur auf die Weisheit unserer politischen Führung hoffen. Als Fazit bleibt allerdings: Autoaktien sollten Sie im Moment nicht kaufen, und andere Aktien zunächst eigentlich auch nicht.

Der Markt bietet zurzeit nicht viel an. Harren wir also einfach etwas Dinge und freuen wir uns auf das Wochenende. Endlich soll ja wieder einmal hier die Sonne scheinen.