Enthüllt: Diese US-Banken machen die Kurse

Enthüllt: Diese US-Banken machen die Kurse

Lieber Börsianer, 

jetzt ist es amtlich: Im August verwalteten die börsengehandelten Aktienfonds (ETF) in den USA ziemlich genau 4,27 Billionen US-Dollar. Damit sind die passiven Fonds – gemessen am Volumen – erstmals schwerer als ihre aktiv verwalteten Konkurrenten. In den vergangenen 10 Jahren warben die ETFs in den USA Nettozuflüsse im Volumen von 1,36 Billionen US-Dollar ein. 

Nur drei US-Banken kontrollieren das Billionen-Geschäft, nämlich BlackRock, Vanguard und State Street. Mittlerweile stehen die passiven ETF-Fonds für 14 % der gesamten Börsenkapitalisierung in den USA. Jeden Tag bewegen diese Aktienfonds im Durchschnitt direkt oder indirekt 5 % des Handelsvolumens.  

Auch in Europa greift das Dreigestirn der mächtigen US-Banken unaufhaltsam aus. So gehört BlackRock über seine diversen ETFs bei allen europäischen Standardwerten zu den wichtigsten Einzelaktionären. Bei vielen Unternehmen wie etwa BASF oder Bayer ist BlackRock sogar jeweils der schwerste Einzelaktionär 

Viele Marktbeobachter sehen den Siegeszug der ETF-Vehikels mit großer Sorge. Man ist der Meinung, dass die passiven Fonds mit ihrem naturgemäß undifferenzierten Kaufverhalten den Markt verzerren. Schließlich kaufen diese Fonds ganz unabhängig von der Qualität jede Aktie ein, sofern sich der Titel nur irgendwo in einem Index befindet. So werden auch Schrottaktien quasi mit dem Gesamtmarkt undifferenziert nach oben getragen. Böse Zungen sprechen in diesem Zusammenhang bereits vom Börsen-Sozialismus, der alle Aktien über einen Kamm schert 

Qualitätsaktien hingegen, die aufgrund starker Kursanstiege in der Vergangenheit in den Indizes ohnehin übergewichtet sind, werden pro-zyklisch noch weiter aufgebläht, so die Sorge der Skeptiker.    

Können ETFs eine Verkaufspanik auslösen?  

Die Konzentration des Börsenkapitals in nur wenigen Händen gibt in der Tat Anlass zur Sorge. Vor allem tiefe Taschen, also institutionelle Investoren wie Lebensversicherungen oder Pensionsfonds, können den Markt mit nur einer einzelnen Verkaufsorder massiv unter Druck setzen. Richtig ist auch, dass die Marktteilnehmer ETF-Fonds nicht mehr notwendigerweise langfristig halten müssen. Schließlich tendieren die Transaktionsspesen für die Großen mittlerweile gegen Null. Heutzutage können Sie mit einem ETF theoretisch sogar wirkungsvoll Day-Trading betreiben.  

In der Vergangenheit war dem nicht so. Da galten die Fondssammelstellen immer als Marktstabilisator.  

Gleichwohl möchte ich hier auf einen Schutzmechanismus in den ETFs hinweisen. Ein Beispiel: Wenn Sie einen aktiv gemanagten Investmentfonds veräußern, muss das Fondsmanagement Aktien bzw. andere Wertpapiere aus dem Fondsvolumen direkt am markt veräußern, damit Sie ausbezahlt werden können. Das Kapital fließt also aus dem Fonds ab.  

Anders bei ETFs: In normalen Marktphasen findet hier keine Entnahme aus dem Fondsvermögen statt, da der ETF-Anteil einfach den Besitzer wechselt. Mit anderen Worten: Hier beziehen Sie ihr Geld nicht aus dem Fondsvolumen, sondern vom Käufer Ihrer Anteile. Somit wirkt sich also der Verkauf eines ETF-Anteils nicht unmittelbar auf die Kursentwicklung der Einzelaktien aus.  

Erst wenn es zu ungewöhnlich massiven Verkäufen von ETF-Anteilen kommt, denen am Markt keine entsprechende Nachfrage gegenübersteht, greift das Management tatsächlich ins Fondsvolumen und verkauft jede Aktie entsprechend ihrer Gewichtung im Index. Indexschwergewichte geraten also in einer solchen Situation unter massiven Verkaufsdruck. Beispiel: Wenn ein DAX-ETF also DAX-Titel im Wert von 100 Millionen Euro veräußern muss, entfallen davon gleich 11 Millionen Euro nur auf SAP. Beim DAX-Leichtgewicht Covestro hingegen müssen nur Anteile im Wert von rund 700.000 Euro verkauft werden.  

Was folgern Sie als Börsianer daraus? Vor diesem Herdentrieb, der von ETFs pro-zyklisch noch verstärkt wird, können Sie sich zumindest teilweise schützen. Wer nämlich sein Depot breit streut, also eben auch in Werte aus der zweiten und dritten Reihe investiert, kann diesem Herdentrieb entgehen. Denn für die Entwicklung der Aktien etwa von Isra Vision, Hella oder Helma Eigenheimbau sind die ETFs kaum relevant. Hier hat BlackRock und Co. nämlich noch fast nichts zu melden. Die großen ETF-Macher sind nämlich vor allem in Europa hauptsächlich in den Leit-Indizes – eben DAX, EuroStoxx, FTSE oder CAC40 – aktiv.    

In dem Sinn, lieber Börsianer, es müssen nicht immer die großen Aktien aus DAX und Dow sein. Deshalb mischen wir im RENDITE TELEGRAMM immer gezielt auch Nebenwerte wie Encavis, Isra Vision oder Twilio bei. Denn hier machen noch Börsianer aus Fleisch und Blut die Kurse und nicht BlackRock oder Vanguard.