Bedeutet Vermögen gleichzeitig Gesundheit?

Bedeutet Vermögen gleichzeitig Gesundheit?

Liebe Börsianerinnen, liebe Börsianer,

es heißt, dass man mit Geld kein Glück kaufen kann, und auch die Beatles sangen, dass man mit Geld keine Liebe kaufen kann.

Eine neue Studie, die im American Journal of Lifestyle Medicine veröffentlicht wurde, legt jedoch nahe, dass selbst eine rudimentäre finanzielle Bildung zu einer besseren Gesundheit führen kann.
Die Studie umfasste 345 alleinerziehende Mütter mit niedrigem Einkommen. Einige von ihnen erhielten eine finanzielle Ausbildung und Beratung, die anderen Teilnehmerinnen nicht.
Die Ergebnisse zeigten, dass die Frauen, die an der Schulung teilnahmen, nicht nur weniger finanziellen Druck hatten als die Kontrollgruppe, sondern auch weniger rauchten, besser schliefen, häufiger zum Arzt gingen und weniger Stress in ihren Beziehungen hatten als die Frauen, die keine Beratung erhielten.

Es gibt unzählige Studien, die zeigen, dass ein niedrigeres Einkommen tendenziell zu einer schlechteren Gesundheit führt. Dafür gibt es viele Gründe, z. B. der Mangel an gesunden Lebensmitteln in einkommensschwachen Gegenden oder die Tatsache, dass aus Kostengründen keine frühzeitige medizinische Behandlung in Anspruch genommen wird.

Kürzlich habe ich meine Tochter gebeten, ein paar Dinge im Supermarkt zu besorgen. Als sie zur Tür hereinkam, sagte sie: „Bio-Obst ist teuer!“
Wir haben das große Glück, dass wir es uns leisten können, viel frisches Obst und Gemüse zu kaufen, in einem Fitnessstudio zu trainieren und zum Arzt gehen zu können, wenn es nötig ist.

Aber ich habe auch erlebt, wie die Kosten für die Gesundheitsversorgung buchstäblich über Leben und Tod entscheiden können.
Ein enges Familienmitglied wurde vor ein paar Jahren schwer krank. Glücklicherweise war sie pflegeversichert. Die Versicherung bezahlte eine Haushaltshilfe, die sie wieder gesund pflegte. Hätte sie sich diese Hilfe nicht leisten können, wäre sie wahrscheinlich in einer Einrichtung untergebracht worden, die nicht annähernd das gleiche Maß an Pflege geboten hätte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie es nicht geschafft hätte.

Das Gesundheitswesen wird teuer – so können Sie Ihre Kosten senken

Wir wissen, dass die Gesundheitskosten mit zunehmendem Alter in die Höhe schnellen. Nach Angaben von Fidelity wird ein durchschnittliches 65-jähriges Ehepaar im Ruhestand mehr als 300.000 USD an Kosten für die Gesundheitsversorgung aufwenden.

Rentner und Vorruheständler brauchen also nicht nur Geld für ihre Wohnung, Lebensmittel und andere Ausgaben, sondern auch für den Fall, dass sie krank werden.

Im Folgenden finden Sie einige Möglichkeiten, Ihre Gesundheitskosten zu senken und Ihr Einkommen zu erhöhen, damit Sie sich die medizinische Versorgung auch leisten können oder wegen Ihrer Finanzen nicht so gestresst sind, wenn Sie krank werden.

  • Werden Sie gesund. Das ist eine Selbstverständlichkeit, aber nicht genug Leute tun es. Wenn Sie sich richtig ernähren, Sport treiben und ausreichend schlafen, werden Sie sich besser fühlen – und es ist billiger.
    Zu Hause mit frischen Produkten zu kochen, ist viel günstiger und gesünder als auswärts zu essen.
  • Kaufen Sie Ihre Medikamente selbst. Nur weil der CVS oder Walgreens (beides sind große Apothekenkette in den USA) an der Ecke günstig ist, heißt das nicht, dass Sie auch das beste Angebot bekommen. Es gibt kostenlose Apps und Dienste, mit denen Sie bei Ihren Medikamenten eine Menge Geld sparen können.
  • Investieren, investieren und investieren. Habe ich schon erwähnt, dass Sie investieren sollten? Sie brauchen Ihr Geld, um es zu mehren und einen größeren Wohlstand zu haben, wenn Sie älter werden. Wie wir derzeit sehen, können die Preise in die Höhe schnellen. Sie brauchen Ihr Geld, damit es mit den Preisen steigt.
    Meine Lieblingsmethode, um mit der Inflation Schritt zu halten, ist die Investition in „Perpetual Dividend Raisers“. Das sind Aktien, die eine Dividende zahlen und diese jedes Jahr erhöhen. Es handelt sich dabei in der Regel um konservativere Aktien, die sich besser entwickeln als der Markt und, was noch wichtiger ist, die Ihnen jedes Jahr mehr Einkommen verschaffen.
  • Nutzen Sie ein Gesundheitssparkonto (engl.: Health Savings Account, HSA), wenn es verfügbar ist. Ein Gesundheitssparkonto ist ein steuerlich begünstigtes medizinisches Sparkonto, das Steuerzahlern in den USA zur Verfügung steht, die in einen Krankenversicherungsplan mit hohem Selbstbehalt aufgenommen sind.
    Sie müssen nicht bis zur Pensionierung warten, um das Geld zu verwenden. Sie können es jederzeit abrufen, wenn Sie Gesundheitsausgaben haben. Aber je länger Sie das Geld wachsen lassen, desto besser. Und da Sie im Ruhestand wahrscheinlich Gesundheitskosten in sechsstelliger Höhe haben werden, sollten Sie versuchen, das Geld so lange wie möglich zu investieren.
    Beachten Sie, dass Sie nicht in Medicare (bundesstaatliche Krankenversicherung in den USA) eingeschrieben sein dürfen, um einen Beitrag zu einem HSA zu leisten. Der Zugang zu HSAs erfolgt in der Regel über einen Arbeitgeber.

Mehr Geld führt zu besseren Gesundheitsergebnissen. Ergreifen Sie jetzt die nötigen Maßnahmen – sowohl in Bezug auf Ihren Lebensstil als auch auf Ihre Finanzen –, um Ihre Gesundheit im späteren Leben zu schützen.

Der Krieg, über den Sie nichts hören

Der Krieg, über den Sie nichts hören

Liebe Börsianerinnen, liebe Börsianer,

vergessen wir einmal den Krieg in der Ukraine und die abstürzenden Aktienmärkte in der jüngsten Vergangenheit. Konzentrieren wir uns stattdessen auf etwas, dem in letzter Zeit nicht allzu viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde – Währungskriege.

Die Welt befindet sich momentan in der intensiven Phase eines langjährigen Währungskrieges. Der aktuell laufende globale Währungskrieg begann im Jahr 2010. Mein Buch „Währungskrieg“ ist kurz danach erschienen. Einer der Punkte, die ich in dem Buch anspreche, ist, dass sich die Welt nicht ständig in einem Währungskrieg befindet. Aber wenn wir uns in einem befinden, kann er sehr lange andauern. Er kann fünf, zehn oder 15 Jahre andauern. Manchmal auch länger.

Es ist also keine Überraschung, dass wir uns im Jahr 2022 in einem Währungskrieg befinden, da es im Wesentlichen derselbe Währungskrieg seit 2010 ist – wir befinden uns nur in einer anderen Phase.

Währungskriege haben eine große Aussagekraft. Sie sind eines der wichtigsten Ereignisse in der heutigen Wirtschaft. Schauen wir uns die Grundlagen eines Währungskrieges an.

Währungskriege entstehen, wenn es zu viele Schulden und zu wenig Wirtschaftswachstum gibt. Das weltweite Wirtschaftswachstum reicht also nicht aus, um alle Schuldverpflichtungen zu bedienen. Mit anderen Worten, Währungskriege entstehen, wenn das Wirtschaftswachstum im Verhältnis zur Schuldenlast zu gering ist. Und das ist derzeit der Fall.

Währungskriege sind eine Möglichkeit, das Wirtschaftswachstum von Handelspartnern zu verlangsamen, indem die Kosten für Exporte gesenkt werden. Länder beteiligen sich an diesem Vorgehen, um die Deflation zu bekämpfen und die Inflation zu fördern, indem sie die entsprechende Währung verbilligen und die Inflation in Form höherer Importpreise erzeugen.

Stellen Sie sich eine Menge hungriger Menschen vor, die sich um ein paar Krümel streiten. So ähnlich stellt sich die Situation dar, wenn es weltweit zu viele Schulden und nicht genug Wirtschaftswachstum gibt. Das ist es, was ein Währungskrieg ausmacht.

Es handelt sich um eine uralte Wirtschaftspolitik, die in den späten 1920er- und 1930er-Jahren unter dem Namen „beggar thy neighbor“ zu Deutsch „bettle deinen Nächsten an“ bekannt geworden ist.

Die Länder nahmen sich gegenseitig das Wirtschaftswachstum und versuchten, die Inflation durch die Entwertung der eigenen Währung zu importieren, um ihre Handelsbilanzen zu verbessern, indem sie Exporte für ausländische Käufer verbilligten und Importe für inländische Käufer verteuerten. Diese Kombination wurde als wachstumsfördernd angesehen.

In einem Währungskrieg geht es nicht darum, die anderen Währungen zu zerstören, sondern darum, die eigene Währung zu verbilligen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass man die anderen Währungen stärkt. Man will die Inflation durch höhere Importpreise importieren.

Der wichtigste Faktor bei dieser Betrachtung ist, dass zwei Währungen nicht gleichzeitig gegeneinander abwerten können. Das ist eine mathematische Unmöglichkeit. Wenn eine Währung gegenüber einer anderen abwertet, dann muss die andere aufwerten.

Es gibt keine andere Möglichkeit, aber am Ende können Währungskriege, wie alle Kriege, sehr zerstörerisch sein.

LUNA erhebt sich aus dem Grab

LUNA erhebt sich aus dem Grab

Liebe Börsianerinnen, liebe Börsianer,

ich war gerade in Nicaragua gelandet, um an meinem jährlichen Surf-Retreat teilzunehmen, als die E-Mail meines Maklers in meinem Posteingang eintraf.
Wir schrieben das Jahr 2013.

„Wichtiges Update“ lautete die Betreffzeile. Als ich die E-Mail öffnete, wusste ich, was mich erwarten würde. Dennoch war ich überrascht, als ich es in schriftlicher Form sah.
Es war der Satz, vor dem sich jeder Anleger fürchtet: „Fisker Automotive meldet morgen Konkurs an.“

Dies war der schlimmste Handel meines Lebens. Ich war ein früher Investor in diesem Startup-Unternehmen für Elektrofahrzeuge. Meine These im Jahr 2010 lautete, dass die Welt es leid war, Kriege um Öl zu führen. Die Revolution der Elektrofahrzeuge stand also vor der Tür. Ich sah auch, dass die Kosten für die Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien drastisch sinken würden.

Der Preisverfall bei Halbleitern löste eine Computerrevolution aus. Auf die gleiche Weise würden fallende Batteriepreise die Art und Weise verändern, wie wir uns fortbewegen.
Damals glaubte ich, dass es eines Tages billiger sein würde, ein Elektroauto zu produzieren als ein Fahrzeug mit einem Verbrennungsmotor.
Und bei einer Probefahrt mit einem Tesla Roadster fühlte sich das leise Drehmoment wie ein überirdisches Fahrerlebnis an.

Aber ich war ein Jahrzehnt zu früh dran. Und ich habe auf das falsche Pferd gesetzt.
Als Fisker Automotive Konkurs anmeldete, wurden Aktionäre wie ich völlig ausradiert.
Einige Inhaber von Schuldtiteln erhielten einen Cent pro Dollar, als ein chinesisches Unternehmen sie aufkaufte.
Ich habe nichts bekommen – nicht einmal eine Kaffeetasse oder ein T-Shirt zur Erinnerung.

Das war ein kostspieliger Fehler und eine teure Lektion. Ein Konkurs ist ein unvermeidlicher Bestandteil der Kapitalmärkte. Wenn ein Unternehmen nicht mehr in der Lage ist, seine Schulden zu begleichen, wird es entweder umstrukturiert, aufgekauft oder hört auf zu existieren. Für die Anleger ist das in der Regel das Ende der Fahnenstange.
Das ist das kapitalistische System.

Aber Kryptowährungen rütteln das alte System auf. Sie erfinden die Kapitalbildung auf eine Weise neu, die vor der Erfindung des Internets nicht möglich war.
Und wir sind Zeuge, wie sich dieses System in Echtzeit verändert.

Kryptowährungen sind wie Chips in einem Casino

Krypto-Protokolle und traditionelle Unternehmen sind völlig unterschiedliche Anlageformen.
Es gibt keine Gläubiger oder Anteilseigner. Vielmehr ist ein Investor in einem Blockchain-Projekt Eigentümer des ursprünglichen digitalen Vermögenswerts (Krypto).
Eine Kryptowährung ist ein digitaler Vermögenswert, der an ein Blockchain-Protokoll gebunden ist. Jede Kryptowährung hat einen spezifischen Anwendungsfall.

Man kann sich diese Token wie Chips in einem Casino oder Münzen in einem Waschsalon vorstellen, die nur an den Waschmaschinen und Trocknern eingelöst werden können.
Bei Blockchain-Protokollen handelt es sich um Software, die geändert oder aufgerüstet werden kann. In der Regel stimmt der Pool der Krypto-Inhaber über die Änderung ab.

Wenn ein traditionelles Unternehmen in Konkurs geht, hat ein Anleger keine Regressansprüche. (So war es auch bei meiner Investition in Fisker Automotive.)
Aber das ist bei Kryptowährungen anders. Wenn ein Protokoll versagt, kann es geändert oder optimiert werden, damit es beim nächsten Mal richtig funktioniert.

LUNA 2.0 ist da

Eine zentrale Datenbank (Blockchain) hält fest, wem was gehört. Das bedeutet, dass neue Token einfach an bestehende Inhaber kostenlos abgegeben werden können.
Dies ist der Fall beim LUNA-Protokoll, das einen algorithmischen Stablecoin namens UST unterstützte.

Eine Schwachstelle im LUNA-Code ermöglichte es, unendlich viele Token zu erstellen.

Dieser Fehler wurde Anfang Mai ausgenutzt, was zu einem 99,99-prozentigen Absturz führte und die bisherigen Inhaber auslöschte.

Das war nicht nur für die Inhaber von LUNA bedauerlich, sondern auch für die 100 anderen Projekte, die auf diesem Ökosystem aufbauen. Dazu gehörten Non-Fungible Token (NFT), das dezentrale Finanzwesen (DeFi) und Web3-Anwendungen.

Das Team hinter dem LUNA-Protokoll beschloss, nicht aufzugeben. Sie haben einige Änderungen am Code vorgenommen und eine neue Version namens Luna 2.0 veröffentlicht.
Der Preis liegt derzeit (Ende Mai) bei ca. 9 USD, was der neuen Version eine Marktkapitalisierung von 2 Milliarden USD verleiht.

Das ist zwar weniger als ein Zehntel der früheren Bewertung von LUNA, aber die LUNA-Investoren sind nicht völlig aus dem Schneider.

Sie könnten sogar die Chance haben, ihre gesamten Investitionen zurückzubekommen. Schließlich könnten neue Investoren in dem neuen Projekt begrenzte Nachteile und unbegrenzte Vorteile sehen.

Um es klar zu sagen: Ich empfehle niemandem, in LUNA 2.0 zu investieren. Ich weise nur darauf hin, dass Kryptowährungen das kapitalistische System für Investoren verändern

Der wahre Grund, warum der Goldpreis schwächelt

Der wahre Grund, warum der Goldpreis schwächelt

Liebe Börsianerinnen, liebe Börsianer,

was ist auf dem Goldmarkt los? Warum steht der Goldpreis nicht viel höher? Als Autor des Bestsellers „The New Case for Gold“ werden mir diese Fragen häufig gestellt. Lassen Sie uns den Sachverhalt betrachten.

Die Welt hat sich in den letzten Jahren radikal verändert. Wir haben die schlimmste Pandemie seit 1918 erlebt, die drittschlimmste in der Weltgeschichte. Die globalen Lieferketten sind in der Folge zusammengebrochen. Die Inflationsraten sind so hoch, wie wir sie seit den frühen 1980er-Jahren nicht mehr gesehen haben. Europa erlebt den schlimmsten Krieg seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Der Krieg in der Ukraine hat einen Finanz- und Wirtschaftskrieg zwischen den USA, Großbritannien, der EU und Russland ausgelöst, der extreme Finanzsanktionen beinhaltet. Dazu zählt unter anderem die Beschlagnahmung der Reserven der russischen Zentralbank. Der Wirtschaftskrieg und die damit verbundenen Sanktionen haben die gestörten globalen Lieferketten zusätzlich beeinträchtigt.

Außerdem verfolgt China, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, eine hoffnungslose und fehlgeleitete Zero-Covid-Politik, die 50 Millionen Menschen in Shanghai und Peking für den Großteil der letzten zwei Monate in ihren Wohnungen verharren ließ. Die Liste ließe sich weiter fortsetzen.

Wenn Gold der ultimative sichere Hafen für Anleger ist und die Welt solchen Unsicherheiten ausgesetzt ist, dann muss der Goldpreis doch in die Höhe schießen, oder?

Gold hat seinen Glanz verloren

Das ist nicht der Fall. Der Goldpreis notiert aktuell bei etwa 1.844 USD pro Unze und damit mehr als 10 % unter dem Allzeithoch von 2.069 USD, das am 6. August 2020 markiert wurde sowie dem Zwischenhoch von 2.043 USD vom 8. März dieses Jahres.

Unterm Strich notiert der Goldpreis heute niedriger als noch vor zwei Jahren. Am 22. Juli 2020 lag der Goldpreis bei 1.870 USD und heute, fast zwei Jahre später, liegt er bei 1.844 USD. Während dieser Zeitspanne gab es einige Höhen und Tiefen, darunter zwei Höchststände über 2.000 USD und mehrere Kursrückschläge bis in den Bereich von 1.680 USD. Es folgte jedoch immer eine Rückkehr zu einer anhaltenden zentralen Tendenz, die sich nicht viel bewegt hat.

Damit sind wir wieder bei der ursprünglichen Frage angelangt: Warum steigt der Goldpreis angesichts Inflation, Ressourcenengpässen und Krieg nicht über die Marke von 2.000 USD pro Unze oder sogar über 3.000 USD und mehr?

Gold sollte steigen

Die Bedingungen hinsichtlich Angebot und Nachfrage begünstigen höhere Goldpreise. Die weltweite Goldproduktion ist in den letzten sechs Jahren ziemlich konstant geblieben. Im selben Sechsjahreszeitraum haben die Zentralbanken ihre offiziellen Goldbestände um 6 % erhöht.

China hat in den letzten zwölf Jahren 1.400 metrische Tonnen Gold erworben (das ist die offizielle Zahl – inoffiziell besitzt das Land wahrscheinlich weit mehr). Russland hat im gleichen Zeitraum 1.500 Tonnen erworben.

Weitere große Abnehmer sind Polen, die Türkei, der Iran, Kasachstan, Japan, Vietnam und Mexiko. Mittlerweile kaufen auch die Zentralbanken der Visegard-Gruppe (Tschechische Republik, Ungarn, Polen und Slowakei) Gold hinzu.

Merkwürdig ist, dass Privatanleger in den USA Gold als Geldwert immer noch gleichgültig gegenüberstehen. Theoretisch sind die Zentralbanken am besten über den tatsächlichen Zustand des globalen Währungssystems informiert. Wenn die Zentralbanken mit harter Währung (Dollar oder Euro) so viel Gold kaufen, wie sie bekommen können, dann ist nicht wirklich ersichtlich, worauf die Kleinanleger warten.

Natürlich machen die Bestände der Zentralbanken nur etwa 17,5 % des gesamten oberirdischen Goldes aus. Die Nachfrage von Anlegern nach Goldbarren und Schmuck ist weitaus größer. Dennoch sind die Zentralbanken wohl die kenntnisreichsten Marktteilnehmer und somit ist ihr stetiger Anstieg der Goldbestände bedeutsam.

Der Goldpreis ist an die Zinssätze gekoppelt

Die Zinssätze werden für die Entwicklung des Goldpreises ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Die starken Schwankungen des Goldpreises in den letzten zwei Jahren sind unter anderem auf die Entwicklung der Zinssätze zurückzuführen. Die Korrelation ist nicht perfekt, aber sie ist stark.

Der Anstieg des Goldpreises Ende 2020 war ein Resultat der sinkenden Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe, die von 1,930 % am 19. Dezember 2019 auf 0,508 % am 31. Juli 2020 zurückging. Ähnlich ist der Rückgang des Goldpreises ab Februar 2021 zu erklären. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe stieg von 1,039 % am 2. Januar 2021 auf 3,130 % am 2. Mai 2022.

Ich bin jedoch der Meinung, dass die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe aufgrund der globalen wirtschaftlichen Schwächephase erneut fallen wird. Das ist eine gute Nachricht für Goldanleger. Die kurzfristigen Zinssätze steigen wegen der Geldpolitik der Notenbanken, aber die langfristigen Zinssätze werden sinken, sobald die globale Konjunktur von der bevorstehenden Rezession getroffen wird. Das wiederum dürfte zu höheren Goldpreisen führen.

Die Bedingungen hinsichtlich Angebot und Nachfrage sind zwar günstig für Gold sowie das allgemeine Zinsumfeld, aber keiner der beiden Faktoren scheint die nötige Triebkraft zu besitzen, um den Goldpreis kurzfristig über die Marke von 2.000 USD zu schieben. Wo liegt das Problem?

Schauen Sie auf den US-Dollar

Der tatsächliche Gegenwind für die Entwicklung des Goldpreises lässt sich in einem starken US-Dollar finden. Da Gold in US-Dollar notiert, spiegelt der Goldpreis diese Stärke in konträrer Form wider. Ein schwacher US-Dollar bedeutet einen höheren Dollarpreis für Gold. Ein starker US-Dollar bedeutet einen niedrigeren Dollarpreis für Gold.

Das Außergewöhnliche in den letzten zwei Jahren ist nicht, dass der Goldpreis nicht gestiegen ist, sondern dass er sich angesichts der anhaltenden Stärke des US-Dollars so gut gehalten hat. Das führt zu der nächsten Frage: Was steckt hinter dem starken US-Dollar und was könnte dazu führen, dass der US-Dollar plötzlich schwächer wird und den Goldpreis ansteigen lässt?

Der starke US-Dollar ist auf die Nachfrage nach auf US-Dollar lautenden Sicherheiten zurückzuführen, vor allem auf US-Staatsanleihen, die als Sicherheiten in den Bankbilanzen und in den Derivatpositionen der Hedgefonds benötigt werden. Diese hochwertigen Sicherheiten sind knapp. Da die Banken um die knappen Sicherheiten ringen, benötigen sie US-Dollar, um die US-Staatsanleihen zu bezahlen. Das heizt die Dollarnachfrage an.

Das Gerangel um Sicherheiten spricht auch für ein schwächeres Wirtschaftswachstum, die Angst vor Zahlungsausfällen, die sinkende Kreditwürdigkeit von Kreditnehmern und die Angst vor einer globalen Liquiditätskrise.

Wenn das schwache Wachstum in eine globale Rezession umschlägt, wird eine neue Finanzpanik drohen. An diesem Punkt könnte das Image des US-Dollars als sicherer Hafen beginnen zu bröckeln. Angesichts der aggressiven Sanktionen seitens der USA und den Bestrebungen großer Volkswirtschaften wie China, Russland, der Türkei und Indien, sich von dem US-Dollarsystem zu lösen, hat der Imageverlust wahrscheinlich schon begonnen.

Wenn die Finanzpanik ausbricht und der US-Dollar als nicht mehr zuverlässig gilt, wird sich die Welt Gold zuwenden. Die Frustration über die Seitwärtsbewegung des Goldpreises ist verständlich. Doch hinter dem Vorhang braut sich eine neue Liquiditätskrise zusammen.

Anleger sollten die heutigen Goldpreise als Geschenk und vielleicht als letzte Chance betrachten, Gold zu diesen Preisen zu erwerben, bevor der eigentliche Ansturm auf das Edelmetall beginnt.

Gold ist im Moment so billig, dass es praktisch ein Schnäppchen ist.

Währungskriege: der Wettlauf nach unten

Währungskriege: der Wettlauf nach unten

Liebe Börsianerinnen, liebe Börsianer,

was sind die Vorteile einer schwachen Währung im Vergleich zu den Währungen der wichtigsten Handelspartner? Die Antwort hängt davon ab, ob man die politischen oder die wirtschaftlichen Vorteile betrachtet.

Die politischen Vorteile liegen auf der Hand und erklären, warum es in den letzten 100 Jahren regelmäßig zu Währungskriegen (der Akt der Verbilligung der eigenen Währung) gekommen ist. Eine schwache Währung macht die eigenen Exporte aus Sicht eines ausländischen Käufers billiger.

Wenn Indonesien den Kauf von Flugzeugen für seine nationale Fluggesellschaft in Erwägung zieht, kann es sich unter anderem für die Boeing 787 oder den Airbus A350 entscheiden. Die Herstellungskosten von Boeing fallen hauptsächlich in US-Dollar an, während die Herstellungskosten von Airbus hauptsächlich in Euro anfallen (obwohl beide Hersteller verschiedene Komponenten und Vorleistungen aus der ganzen Welt beziehen).

Wenn der Euro gegenüber dem US-Dollar schwach ist, bedeutet das, dass Indonesien wahrscheinlich ein besseres Angebot von Airbus erhalten wird. Der Verkauf durch Airbus wirkt sich auf die gesamte Lieferkette aus und trägt zur Schaffung von Arbeitsplätzen sowie zu anderen exogenen wirtschaftlichen Vorteilen für das Unternehmen und seinen Lieferanten (die hauptsächlich in Deutschland und Frankreich ansässig sind) bei.

Die wahrgenommenen Vorteile einer schwachen Währung beschränken sich nicht auf mehr Exporte und exportbezogene Arbeitsplätze. Eine schwache Währung führt auch dazu, dass Inflation importiert wird. Erzeuger und Verbraucher aus dem schwachen Währungsland müssen mehr Geld aufbringen, um ausländische Importe außerhalb des gleichen Währungsraums zu kaufen.

Wenn zum Beispiel ein Computer aus den USA 1.500 US-Dollar kostet und ein Euro 1,20 US-Dollar wert ist, dann werden 1.250 Euro benötigt, um den Computer zu kaufen. Fällt der Wechselkurs auf 1,05 US-Dollar (was in etwa dem heutigen Stand entspricht), dann kostet derselbe Computer plötzlich 1.430 Euro, was einem Preisanstieg von 14 % gleichkommt.

Natürlich sind die Lieferketten globaler Hersteller komplexer als dieses einfache Beispiel. Die Hersteller halten oft einen festen Preis in beiden Währungen ein und verrechnen etwaige Gewinne oder Verluste mit ihren Gewinnspannen oder sichern die Wechselkursschwankungen auf den Terminmärkten ab. Dennoch bleibt die grundlegende Dynamik bestehen und spielt sich im Laufe der Zeit ab.

Es klingt seltsam, dass ein Land Inflation importiert, während die Inflation vielerorts in die Höhe schießt. Aber die Inflationswelle ist relativ jung. Von 2008 bis 2021 waren Disinflation und regelrechte Deflation in vielen entwickelten Volkswirtschaften ein ernstes Problem.

Die Deflation ist in Japan immer noch ein Problem und könnte zu einem weltweiten Problem werden, wenn die höheren Zinssätze, die zur Bekämpfung der heutigen Inflation eingesetzt werden, zu einer weltweiten Rezession führen. Die Kunst, die Deflation mit einer schwachen Währung zu bekämpfen, ist auf jeden Fall erprobt und bewährt.

Die politischen Vorteile einer schwachen Währung liegen also auf der Hand. Die politischen Verantwortlichen können behaupten, dass die Exporte gestiegen und die Importe gesunken sind (was sich positiv auf die Handelsbilanz und das BIP auswirkt), dass exportbezogene Arbeitsplätze geschaffen werden und dass die Deflationsrisiken gemindert werden. Das ist ein hübsches Paket an Erfolgen, mit dem jeder Politiker kandidieren kann. Aber ist irgendetwas davon wahr und wie sieht es mit der wirtschaftlichen Realität aus?

Es stellt sich heraus, dass die meisten Behauptungen über eine schwache Währung illusorisch, vorübergehend oder beides zugleich sind. Es mag den Anschein haben, als seien die Endpreise der Exporte für einen ausländischen Käufer billiger, wenn die Währung des Verkäufers im Vergleich schwach ist. Bei dieser Betrachtung wird jedoch das Wesen der globalen Lieferketten außer Acht gelassen.

Die Arbeitskosten sowie die technologische Forschung und Entwicklung für einen Airbus mögen in Euro anfallen, aber das Aluminium für die Flugzeugzelle kommt aus Russland, die Teilkomponenten aus Südostasien, die Avionik aus den Vereinigten Staaten usw.

Eine schwache Währung bedeutet, dass die Preise für diese importierten Komponenten steigen. Das ist ein entscheidender und wichtiger Punkt. Nur sehr wenige anspruchsvolle Exportgüter werden ausschließlich in einem Land hergestellt. Eine schwache Währung macht Vorleistungen aus anderen Währungsräumen teurer, sodass diese Kosten die Vorteile einer schwachen Währung in Bezug auf Arbeit und lokale Vorleistungen aufheben.

Eine schwache Währung ist wie eine versteckte Steuer (das ist die Inflation), die für Importe gezahlt wird. Dies führt zu einem Rückgang der Nachfrage in anderen Waren- und Dienstleistungskategorien und kann zu Arbeitsplatzverlusten in der einheimischen Industrie führen, da die Verbraucher mehr für unvermeidliche Importe ausgeben.

Selbst wenn die Vorteile einer schwachen Währung zum Tragen kommen, sind die Auswirkungen nur von kurzer Dauer. Das liegt daran, dass die Handelspartner nicht tatenlos zusehen werden, wie ein Land seine Währung schwächt. Andere Länder werden darauf reagieren, indem sie ihre eigenen Währungen im Gegenzug abwerten. Das liegt in der Natur von Währungskriegen und war einer der Hauptgründe, warum die Große Depression so lange dauerte und nicht nach ein oder zwei Jahren vorbei war.

Um im Gegenzug die eigene Währung abzuwerten, können betroffene Handelspartner auf den Devisenmärkten intervenieren, ihre Zinssätze senken (um Kapitalzuflüsse zu verhindern), Kapitalkontrollen einführen und andere Formen der geldpolitischen Manipulation anwenden.

Ich habe es bereits in vorherigen Artikeln geschrieben: Die Welt befindet sich derzeit in einer intensiven Phase eines langjährigen Währungskriegs.

Der Yen (JPY) kollabiert, weil die Bank von Japan den Exporten unter die Arme greifen muss, um eine weitere Rezession abzuwenden. Der Euro (EUR) ist abgestürzt, weil die EZB die Zinsen niedrig und die Exporte hochhalten will, um die Volkswirtschaften der schwachen Mitgliedstaaten zu unterstützen.

Der chinesische Yuan (CNY) fällt rapide, weil Chinas Wirtschaft unter den Auswirkungen der lächerlichen Zero-Covid-Politik und der schwächeren Nachfrage aus den USA, der EU und Japan leidet. Das Gleiche gilt für das Pfund Sterling (GBP), weil das Vereinigte Königreich am Rande einer Rezession steht.

Die zweit-, dritt-, viert-, sechst- und siebtgrößten Volkswirtschaften der Welt (China, Japan, Deutschland, Großbritannien und Frankreich), die mehr als 40 % des globalen BIP ausmachen, profitieren von einem starken US-Dollar.

Die Frage ist, wie lange die USA diesen Zustand noch hinnehmen werden. Den USA macht der starke US-Dollar vorerst offensichtlich nichts aus. Die Straffung der Geldpolitik seitens der US-Notenbank Fed deutet auf einen noch stärkeren US-Dollar in der Zukunft hin.

Solange das Wirtschaftswachstum in den USA solide ist, dürfte es den USA nichts ausmachen, als finanzieller Rettungsring für den Rest der Welt zu fungieren, indem sie ihren Handelspartnern erlauben, eine Politik der schwachen Währung zu verfolgen. Dies kann dazu beitragen, die Inflation in den USA zu bekämpfen, indem ausländische Importe billiger werden, wenn sie in starken US-Dollars bezahlt werden.

Die Geschichte zeigt, dass dieser Zustand nicht von Dauer sein wird. Die Politik der Fed wird die USA bis Ende dieses Jahres oder Anfang 2023 in eine Rezession stürzen. Das mag die Inflation bekämpfen, ist aber ein Albtraum für Politiker, die 2024 zur Wiederwahl antreten. Plötzlich befinden wir uns in einem Szenario, in dem die Fed auf die geldpolitische Bremse treten und sogar Zinssenkungen vornehmen könnte, so wie sie es 2019 getan hat.

Wenn das passiert, würde der US-Dollar abstürzen und der Goldpreis in die Höhe schießen. Währungskriege sind nicht von kurzer Dauer. Sie brauchen Zeit, um sich zu entwickeln. Die USA stützen die Weltwirtschaft derzeit mit dem starken US-Dollar, weil die politischen Entscheidungsträger glauben, dass wir uns das leisten können.

Sobald die USA in eine Rezession stürzen, wird sich diese Politik schnell ändern. Das ist immer so.