Netflix liefert grausame Zahlen

Netflix liefert grausame Zahlen

Lieber Börsianer,

der Start in die US-Berichtsaison ist misslungen. Wesentlich verantwortlich dafür war Netflix. Der Video-Dienst lieferte ernüchternde Zahlen. Die Konkurrenten Disney und Apple haben ihre neuen Dienste in den USA noch nicht einmal ausgerollt, trotzdem wankt der US-Marktführer bedrohlich.  

Weltweit sammelte man zwar 2,7 Millionen Neukunden im 2. Quartal ein. Prognostiziert freilich waren für diesen Zeitraum 5 Millionen Neukunden. Noch schwerer wiegt allerdings, dass Netflix erstmals auf dem wichtigen US-Heimatmarkt einen Kundenabgang im Volumen von 183.000 verkraften musste.  

Ursächlich für den Kundenschwund dürfte wohl die jüngste Netflix-Preisrunde gewesen sein. So hatte man die monatlichen Gebühren für nahezu alle Abos in den USA nach oben gefahren. Für viele Netflix-Kunden war das offensichtlich ein Argument für einen Kündigung des Dienstes.  

Gleichzeitig hatte Netflix die Disney-Inhalte verloren. Disney stellt bekanntlich seine Filme und Serien nicht mehr für die Netflix-Plattform zur Verfügung, da man diese Inhalte nächstens auf einer eigenen Plattform vermarkten wird.  

Gewinn steht bei Netflix nur auf dem Papier – Cashflow bleibt tiefrot

Die Quartalszahlen spiegeln die Misere eindrücklich wider. So sank der Gewinn im Jahresvergleich um über 29 % auf 271 Millionen US-Dollar ab. Zudem setzt sich der Trend der Vorquartale fort. Der freie Cashflow bleibt tiefrot und wuchs nochmals um über 6 % auf fast 600 Millionen US-Dollar im Quartal an. Mit anderen Worten: Der Gewinn steht nur auf dem Papier und ergibt sich aus vorgezogenen Abschreibungen der Eigenproduktionen. Diese Kombination hat keine Zukunft.  

Wie geht es nun weiter? Im laufenden Quartal wird Netflix ein rein mobil nutzbares Abo-Modell für kleines Geld in Indien ausrollen. Ich erwarte, dass das US-Unternehmen hier punkten wird und erheblich Neukunden einwerben wird. Das Problem: Die Inder bringen keine Marge, also sprich besonders hohe Gewinne. Möglicherweise muss Netflix auch wieder in neue Eigenproduktionen für den indischen Markt investieren. Allein mit US-Inhalten wird man auf dem asiatischen Markt nicht punkten.  

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Netflix ist in der Krise. Und jetzt walzen auch noch – wie eingangs bereits erwähnt – die US-Giganten Apple und Disney mit eigenen Videodiensten in den US-Markt. Keine angenehme Konstellation für den einstigen Highflyer! 

Das Zahlendebakel hat sich gestern nachbörslich und heute Morgen auch einem satten Rücksetzer der Netflix-Aktie niedergeschlagen. Insgesamt verlor der US-Titel rund 11 % seines ursprünglichen Wertes, und das binnen weniger Sekunden. Damit ist die Aktie jetzt auch technisch massiv angeschlagen. Betrachten Sie hierzu den beigefügten Chart!

Mir gefällt der Video-Streaming-Markt derzeit als Ganzes nicht. Der sich abzeichnende Konkurrenzkampf wird bretthart und die Abo-Preise drücken. Wer dennoch die Preise erhöht, wie eben zuletzt Netflix, wird sofort vom Kunden abgestraft. Gleichzeitig funktioniert das Neukunden-Geschäft nur dann, wenn die Unternehmen eigene und attraktive Inhalte produzieren. Das ist allerdings ein teures Unterfangen, wie die letzten Quartalszahlen besonders bei Netflix gezeigt haben. Ein Teufelskreis!