Neuer Software-Champion aus Deutschland startet an der Börse durch

Neuer Software-Champion aus Deutschland startet an der Börse durch

Lieber Börsianer, 

darauf mussten wir hierzulande fast 20 Jahre warten. Erstmals seit dem Infineon-Börsengang (2000) startet wieder ein milliardenschwerer Tech-Champion aus Deutschland an der Börse durch. Derzeit läuft die Zeichnungsphase für die Aktien des schwäbischen Software-Unternehmens TeamViewer. Die Aktien werden in einer Spanne zwischen 23,50 und 27,50 Euro den Investoren zur Zeichnung angeboten. Am 25. September wird die Aktie dann erstmals an der Börse gehandelt.  

Jetzt schon absehbar wird das Unternehmen am Tag der Erstnotiz eine Marktkapitalisierung von mindestens 5,5 Milliarden Euro auf die Börsenwaage bringen. Anders gesprochen: Hier kommt nicht irgendeine Software-Klitsche, sondern ein echter Brummer an die Börse. Möglicherweise wird das Unternehmen bereits im kommenden Jahr in den MDAX aufrücken.  

Was macht TeamViewer eigentlich?  Das Unternehmen mit Sitz in Göppingen schließt vereinfacht gesprochen Computer und andere internetfähige Endgeräte zusammen. Beispiel: Sie wollen gemeinsam mit einem Kollegen, der an einem anderen Standort arbeitet, an einem Softwareprojekt arbeiten. Mittels TeamViewer verbinden Sie nun Ihre Rechner und können sich sogar den Bildschirm teilen (Screen Sharing). Oder: Ihr Rechner im Büro zickt. Der firmeneigene Experte loggt sich nun per Internet in Ihren Rechner ein und führt quasi nebenbei eine Fernwartung durch. Die entsprechenden Reparaturen erledigt er selbstverständlich ebenfalls aus der Ferne.    

Zunehmend Verbreitung in den Unternehmen finden auch die sogenannten Webinare. Hierbei handelt es sich um ein internet-gestützte Schulung für Mitarbeiter, Partner etc. Vor einigen Jahren mussten Unternehmen – etwa bei der Einführung einer neuen Software regelmäßig die ganze Abteilung versammeln. Das war aufwändig. Termine mussten gefunden werden, Räume geblockt werden, Snacks beschafft werden und natürlich brauchte man auch einen Overhead-Projektor. Solche Aktionen gehören heute auch dank der diversen TeamViewer-Anwendungen der Vergangenheit an.  

Unternehmen sieht Marktpotenzial von 30 Milliarden Euro  

Keine Frage: Die Schwaben sind in einem heißen Trendmarkt tätig. Screen Sharing, Fernwartung, gemeinsame Online-Projekte oder etwa Videoschaltungen erleichtern Arbeitsprozesse und vor allem sparen in den Unternehmen Zeit und Geld. TeamViewer selbst prognostiziert für diese Anwendungen bis 2023 ein Marktpotenzial von rund 30 Milliarden Euro.  

Und auch die letzten Geschäftszahlen der Schwaben bestätigen diesen Eindruck. So steigerte man 2018 den Umsatz um 86 % auf 258 Millionen Euro. Im laufenden Jahr schaffte man bislang ein Umsatzwachstum von 78 %. Erfreulich ist zudem, dass das Unternehmen operativ bereits profitabel arbeitet. Das ist nun gerade bei jungen Software-Unternehmen definitiv nicht die Regel.  

Ich sehe allerdings auch Probleme: Die Schwaben wühlen ausgerechnet in einem Marktsegment, in dem traditionell Software-Unternehmen aus den USA den Ton angeben. Sprich: In diesem Marktsegment arbeiten Sie nicht unbedingt konkurrenzfrei. So weist TeamViewer im Emissionsprospekt eine satte ChurningRate von knapp 10 % auf. Zu Deutsch: Fast jeder 10. Kunde springt ab und wechselt zur Konkurrenz. Gute Software-Unternehmen schaffen hier teils Raten von unter 5 %. Noch ein ähnliches Problem: TeamViewer lebt gegenwärtig stark vom Neugeschäft, während sich die Bestandskunden mit neuen Aufträgen offensichtlich zurückhalten. Vergleichbare US-Unternehmen wie Slack, Zoom oder Twilio schneiden im Bestand deutlich besser ab.  

Vielleicht können Sie sich einige Stücke der zurzeit recht begehrten Aktien sichern. Dann dürfen Sie mit schnellen Zeichnungsgewinnen von rund 10 % rechnen. Ansonsten rate ich Ihnen bei diesem neuen Mitglied des deutschen Kurszettels erst einmal zur Zurückhaltung. Hier gilt: Bei Börsengängen wird oftmals zu teuer eingekauft. Den guten Einstiegskurs sehen Sie in der Regel immer erst einige Monate nach dem Börsengang. So war es etwa bei Facebook oder Alibaba. TeamViewer wird da keine Ausnahme machen.  

Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende. Wir „sehen“ uns nächste Woche!